Die Anspannung war den vier Kandidaten am Mittwochabend ins Gesicht geschrieben: Mehr als 200 Rodewischer waren in den Ratskellersaal gekommen, um Kerstin Schöniger, Catrin Weck, Holger Liebold und Lothar Jahn (von links) zu sehen und zu hören. Einer von ihnen wird im März zum neuen Stadtoberhaupt von Rodewisch gewählt werden. Die vermutlich letzte Chance, das Quartett ins Kreuzverhör zu nehmen, wird sich am 28. Februar bieten: Dann lädt die "Freie Presse" an gleicher Stelle zum Bürgerforum in der Endphase des Bürgermeister-Wahlkampfs ein.
Foto: Joachim Thoss
Quartett stellt sich den Wählern
Interesse an der bevorstehenden Bürgermeister-Wahl ist riesig
Rodewisch. Ein Wahl-Krimi wirft seine Schatten voraus: Am 4. März wird es in Rodewisch richtig spannend. Denn die Bürger haben die Wahl zwischen gleich vier Kandidaten, die künftig die Kommune regieren wollen. Am Mittwochabend stellten sich alle vier ihren potenziellen Wählern vor - und mehr als 200 Rodewischer waren in den Ratskellersaal geströmt, um dies zu erleben. Die vier Anwärter zeigten sich angenehm überrascht vom Interesse. Trotz erkennbarer Anspannung angesichts eines so großen Publikums meisterten allesamt die Herausforderung gut.
Zwei der durchweg parteilosen Kandidaten wurden von Parteien aufgestellt, nämlich Holger Liebold von der SPD und Kerstin Schöniger von der CDU. Lothar Jahn und Catrin Weck treten als Einzelbewerber an, sie mussten ihre Kandidatur mit Unterschriften untermauern. Als wichtiger schälte sich ein anderer Unterschied heraus: Jahn und Schöniger arbeiten seit langem in der Rodewischer Stadtverwaltung, Liebold und Weck kommen aus der Versicherungsbranche. Die beiden Verwaltungsexperten wussten mit Detailwissen zu punkten. Allerdings mussten sie sich aus dem Publikum den Vorwurf anhören, warum sie ihre Ideen nicht längst umgesetzt hätten. Liebold und Weck dagegen konnten unbefangener herangehen, sie mussten jedoch gelegentlich einräumen, über verschiedene Dinge (noch) nicht genug zu wissen.
Dietmar Hüllebrand moderierte die Veranstaltung, bei der die vier Kandidaten fair und respektvoll miteinander umgingen. Allen ist klar, dass die finanzielle Lage Rodewischs düster ist. 1350 Euro beträgt laut Jahn die Pro-Kopf-Verschuldung, zugleich ist nach Angaben von Kerstin Schöniger die Bevölkerung seit 1990 um fast 2000 Menschen auf jetzt 6800 geschrumpft.
Dabei habe die Stadt einige Pfunde, mit denen man wuchern könne. "Wir müssen mehr trommeln mit dem, was wir haben", meinte Catrin Weck. Sie setzt unter anderem auf das Engagement der "Jung-Rentner". Kerstin Schöniger wiederum betrachtet die Schaffung von attraktiven Wohnungen und Eigenheim-Standorten als Rezept gegen die Abwanderung: "Hier müssen wir ansetzen." Holger Liebold will die Stadt führen "wie ein modernes Unternehmen" und so mehr Gewicht und Bedeutung für Rodewisch erlangen. Jahn versprach: "Ich kann sparen, ich kann mit Geld umgehen."
Während die beiden Frauen alte Bausubstanz in Rodewisch möglichst erhalten wollen, plädierten die Männer eher für Abriss und Neubau, wo dies möglich sei. Einig zeigten sich alle Kandidaten im Verhältnis zu Auerbach: Die Zusammenarbeit müsse verstärkt werden - doch die Eigenständigkeit von Rodewisch stehe nicht zur Disposition.
Für Dienstag, 28. Februar, 19 Uhr, lädt "Freie Presse" zu einem weiteren Forum mit den vier Kandidaten in den Ratskellersaal ein. Es wird dann vermutlich die letzte Chance vor der Wahl sein, alle Bewerber zu erleben.


