Der Wohnblock Albert-Schweitzer-Straße 30 bis 36 erstrahlt nach dem Teilrückbau in einem neuen Kleid.
Foto: JB Steps
Aufsichtsrat stoppt Putz-Experiment
Wohnblock sollte durch verschiedene Putzstrukturen interessante Lichtreflexe erhalten
Reichenbach. Im Juni 2011 hatte der Technische Ausschuss des Stadtrates für Teilgebiet 3 des Neubaugebietes West ein neues Fassadengestaltungskonzept beschlossen. Der Testlauf brachte aber nicht das gewünschte Ergebnis.
Die Wohnungsbaugesellschaft Reichenbach (Wobau) hatte den Block Albert-Schweitzer-Straße 30 bis 36 als Testobjekt auserkoren. Er wurde von fünf auf drei Etagen eingekürzt. Die Fassaden erhielten ein Wärmedämmsystem, unter dem die ursprüngliche Plattenstruktur verschwand.
Exakt nach dem vom Ausschuss bestätigten Konzept des Architekturbüros ahoch4 aus Zwickau wurden dann die Fassaden gestaltet. Der einheitliche Fassadengrundton ist Lichtweiß. Abgeleitet von den Gestaltungsregeln des "Goldenen Schnittes" wechseln sich an drei Außenseiten Glatt- und Rauputzflächen in verschiedenen Mustern ab. Das sollte nach Ansicht der Planer interessante Licht- und Schattenreflexe auf der Wand entstehen lassen. Außerdem wurden Fassadenelemente wie Tür- und Fensterumrandungen in Tönen der "Bauhaus"-Farblehre optisch betont. Auf bei den noch folgenden Balkonbrüstungen ist diese farbliche Hervorhebung geplant. Als mögliche Farbkanons wurden Wasser, Erde, Sonne und Wald benannt.
Der Aufsichtsrat der Wobau GmbH hat sich die Putzgestaltung im Dezember bei einem Ortstermin angeschaut. Das Ergebnis beschreibt Aufsichtsratschef, OB Dieter Kießling (CDU), so: "Die gewünschte gestalterische Wirkung wurde eher nicht erzielt. Zudem verteuert diese Ausführung die Sanierungsmaßnahmen deutlich. Und die unterschiedlichen Oberflächenbeschaffenheiten lassen erwarten, dass die Fassaden schneller wieder unansehnlich werden."
Deshalb beschloss der Aufsichtsrat einstimmig, den Technischen Ausschuss zu bitten, von dieser Gestaltung Abstand zu nehmen. Der Ausschuss wird sich damit kommenden Montag, 19 Uhr im Ratssaal befassen. Vorgeschlagen wird im Beschlusstext, "auf die Forderung verschiedener Putzstrukturen im dem am 20. Juni 2011 beschlossenen Gestaltungskonzept zum Neubaugebiet West zu verzichten".
Das Farbkonzept des Architekturbüros ahoch4 Zwickau unterstützt das Ziel, mit etagenweisem Rückbau attraktivere, lockerere Baustrukturen im Neubaugebiet zu schaffen. Ob die verschiedene Fassadentexturen mit Glatt- und Rauputz indes im Juni Bestandteil der Beschlussfassung waren, ist nach Ansicht der Stadtverwaltung ohnehin strittig. Deshalb soll jetzt eine Klarstellung erfolgen.


