Schule Die Futurum-Schule Mylau (im Bild das derzeitige Hauptgebäude) wächst. Zurzeit knirscht es zwischen einigen Eltern und dem Schulverein.

Foto: Franko Martin

Futurum-Eltern schicken Brandbrief

Evangelischer Schulverein muss sich der Kritik eines Teils der Eltern stellen

Mylau. Ein von Eltern der Mylauer Futurum-Schüler initiierter Brief an den Evangelischen Schulverein sorgt zurzeit für Debatten. In dem dreiseitigen Papier wird massive Kritik an der Schule geübt. "Bei Eltern bestehen teilweise großes Misstrauen, Zweifel und erhebliche Sorgen", heißt es darin. Einige der Fragen lauten: Können die Kinder dort tatsächlich bis zum Abitur geführt werden? Wird das von den Eltern gezahlte Schulgeld überhaupt zweckentsprechend eingesetzt - oder fließen Mittel in das Akademie-Projekt des Trägervereins ab? Und: Sind die Lehrer im Futurum pädagogisch und fachlich geeignet?

Starker Tobak für Schulleiter Siegfried Kost und Christoph Rabbeau, Geschäftsführer des Evangelischen Schulvereins Vogtland (ESV) als Träger der freien Schule. Kost räumt ein, dass sich die Schule 2011 in schwierigem Fahrwasser bewegt hat. Die geharnischte Kritik bezeichnet er als "Nachwehen" einer von Umstrukturierungen und personellen Wechseln geprägten Zeit. "Jetzt entspannt sich vieles", meint Kost.

Laut Geschäftsführer Rabbeau kam die Eltern-Kritik aus den Klassenstufen 7 bis 9. Die im Aufbau befindliche Schule bewege sich gerade dort abseits der üblichen Pfade staatlicher Bildungseinrichtungen auf Neuland. Die Lehrer-Schüler-Relation in jenem Haus 3 liege aktuell bei 1:11, während die Vorgabe für staatliche Schulen 1:25 beträgt. Doch der Verein beschäftige nicht nur deutlich mehr Lehrer als üblich. Deren Qualifikation "entspricht den staatlichen und gesetzlich geregelten Vorgaben", betont Rabbeau. Um die Lehrer-Fortbildung sicherzustellen, gründe der Evangelische Schulverein eine eigene Akademie.

Der Geschäftsführer versucht auch alle anderen Bedenken zu zerstreuen: Futurum-Schüler könnten ebenso wie andere bis zum Abitur ihre Abschlüsse erreichen. Geld für die Akademie könne schon deshalb nicht abgezweigt werden, weil staatliche Zuweisungen und Elternbeiträge nicht einmal zum Abdecken der Personal- und Sachkosten in der Schule reichten. Der Schulverein unterliege zudem Kontrollen von Kommune, Kreis, Bildungsagentur Finanzamt und anderen. "Ein Hinweis auf unsachgemäße Verwendung ist bislang nicht ergangen", betont der Geschäftsführer.

Auf den Brandbrief habe insbesondere ein Eltern-Stammtisch gedrängt, unterzeichnet haben das Schreiben aber die Elternsprecher Andreas Schmidt und Heiko Knobloch. Beide betonen, einige Dinge in der Schule seien zu klären. Das wollen sie unterstützen, doch in der geballten Form würden sie die Kritik so nicht mittragen. Dabei verweisen sie auch auf eine Veranstaltung am 18. Januar. "Die Schulleitung hat dort die Fragen beantwortet", sagt Heiko Knobloch. Andreas Schmidt spricht von "lösbaren Problemen".

Unterdessen gibt es noch einen aktuellen Problemfall im Futurum. Ein Rauswurf aus der Schule erregt die Gemüter. Rabbeau hat am Montag den Schulvertrag für einen Achtklässler fristlos gekündigt und ihm samt seinen Eltern Hausverbot erteilt. Während der Junge jetzt ohne Schule dasteht, erheben die Eltern Vorwürfe gegen den Schulverein und ganz konkret gegen einen Lehrer, der den Jungen auch körperlich bedrängt haben soll. Für diese Vorwürfe gebe es aus derzeitiger Sicht "keinerlei Belege", erklärt Geschäftsführer Rabbeau. Die Eltern haben angekündigt, die Rückkehr ihres Sohnes in die Schule notfalls auf dem Klageweg zu erzwingen.

 

Futurum Vogtland

Der Evangelische Schulverein Vogtland betreibt als freier Träger die im Aufbau befindliche Schule mit zurzeit 330 Schülern. Limbach ist Sitz für Haus 1 (Grundschule, 120 Schüler). Wenn alles fertig ist, soll Haus 2 mit den Klassen 5 und 6 die ehemalige Mittelschule Mylau sein (zurzeit 88 Schüler). Haus 3 für die Klassen 7 bis 9 (122 Schüler) zieht in ein saniertes Haus mit Anbau. Haus 4 (Klassen 10 bis 12) zieht in der Burg ein. (ur)

 
erschienen am 25.01.2012 ( Von Ulrich Riedel )
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