Linkes Urgestein attackiert Kreisvorsitzende
Linkspartei-Politiker Hinz kritisiert den rüden Umgang mit der Landtagsabgeordneten Roth
Plauen/Reichenbach. Die Attacke der Linkspartei-Kreisvorsitzenden Michaele Wohlrab auf die Landtagsabgeordnete Andrea Roth könnte sich als Bumerang erweisen. Jetzt beziehen Spitzen der vogtländischen Linken Position zugunsten der Landtagsabgeordneten aus Tannenbergsthal - und gegen die Kreischefin aus Plauen.
"Andrea Roth wird von einigen in der Partei diffamiert und bei jeder Gelegenheit angegriffen", sagt der Vogtland-Kreisrat und Plauener Stadtrats-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Hinz. Damit reagiert Hinz auf Wohlrabs pauschale Vorwürfe, Roth habe unwahre Behauptungen erhoben und die Kreisvorsitzende beleidigt. So hatte es Wohlrab in der Juli-Ausgabe des Linkspartei-Mediums "Der Vogtlandbote" formuliert.
Was sie Andrea Roth konkret vorwirft, will Michaele Wohlrab nicht sagen. Inzwischen sei sie zur Ansicht gelangt, dies sei "nichts für die Öffentlichkeit". Nach ihrer scharfen Attacke auf Roth rudert sie auf Anfrage der "Freien Presse" zurück. "Wir wollen niemanden demontieren", erklärt Wohlrab und findet sogar lobende Worte für die zuvor Gescholtene. "Frau Roth macht als Landtagsabgeordnete eine sehr gute Arbeit."
Doch Wolfgang Hinz sieht in der Auseinandersetzung mehr als nur Sommertheater. Er empfinde es als irritierend, dass sich Angriffe aus Wohlrabs Umfeld ausgerechnet auf jene Akteure der Linkspartei konzentrierten, die seit Jahren das Profil bestimmen, die bei Wahlen Stimmen sammeln und in der Außenwirkung als die eigentlichen Gesichter der Linken gelten. Hinz spielt damit auch auf sich selbst an. Nachdem der charismatische Kommunalpolitiker aus Plauen in einem packenden Landtags-Duell gegen CDU-Platzhirsch Frank Heidan nur um Haaresbreite verloren hatte, wurde er von der Linkspartei-Führung aus Ämtern gedrängt. Die in öffentlichen Debatten bislang kaum in Erscheinung getretene Geschäftsführerin Janina Pfau warf Hinz gar vor, seine Medienpräsenz sei mitunter "parteischädigend". Hinz äußert nun die Befürchtung, dass die Linke in diesem Zustand bei den nächsten anstehenden Wahlen abzurutschen drohe. Er selbst hege keine Ambitionen und werde den Fraktionsvorsitz im Plauener Stadtrat Ende des Jahres abgeben. Seine Mandate als Kreisrat und Stadtrat werde er "selbstverständlich" wahrnehmen.
Rückendeckung bekommen Hinz und Roth vom Plauener Linken-Chef Olaf Schmalfuß. Wohlrabs Attacke auf Roth nennt er "einen Skandal", Hinz' Kritik pflichtet er bei. Seine Erfahrung mit der Kreisvorsitzenden formuliert Olaf Schmalfuß so: "Wo Michaele Wohlrab ist, gibt es Streit." Die Vogtland-Linke sei gespalten und müsse dringend wieder geeint werden.
Thomas Höllrich, Vizechef der Linken im Vogtland, will sich zu keiner der beiden Konfliktparteien klar bekennen. Der Reichenbacher fordert aber ein Ende des Gezänks. Den Angriff Wohlrabs auf Roth hält er für einen Fehler. "Ich werde das zum Anlass nehmen, diese Sache zu thematisieren", kündigt Höllrich an.


