Der Topasfelsen Schneckenstein.
Foto: Helmut Schneider/Archiv
Schneckenstein auf Welterbe-Weg
Schneckenstein auf Sachsens Kandidatenliste für den Welterbetitel gelandet
Schneckenstein. Der Topasfelsen Schneckenstein, der über das Schaubergwerk "Grube Tannenberg" der Vogtland Kultur GmbH bewirtschaftet wird, gehört zu den zehn Bewerbungen aus Sachsen, die darauf hoffen können, 2016 Aufnahme auf die Unesco-Welterbeliste zu finden. Einer, der sich darüber besonders freut, ist Steffen Gerisch, der Chef des 1996 eröffneten Besucherbergwerks. Er verweist nicht ohne Stolz auf ein Schreiben des sächsischen Innenministeriums, in dem steht, dass die Vorprüfung des Antrages durch Fachbehörden ergeben habe, dass der Topasfelsen grundsätzlich Welterbepotenzial habe.
Gerisch verfolgt seit mehreren Jahren das Ziel, für den Schneckenstein den Status des Weltkulturerbes zu beantragen. Als im März 2011 Bürgermeister Jürgen Mann (Freie Wähler) erstmals Partner der Tourismus-Branche der Gemeinde Muldenhammer an einen Tisch holte, hatte Gerisch das Thema erneut zur Sprache gebracht.
"Der Schneckenstein ist einzigartig in Europa. Ich habe aber bisher für ein solches Vorhaben keinen Partner finden können", sagte er in einem Gespräch mit "Freie Presse". Auf den Beitrag hin begrüßte Landrat Tassilo Lenk (CDU) die Idee: "Jede Idee, die zur Vermarktung unserer Region beiträgt, ist grundsätzlich eine gute Idee." Gerisch hatte sich daraufhin mit der Vogtland Kultur GmbH um die Antragstellung gekümmert.
Am bereits laufenden Weltkulturerbe-Projekt Montanregion Erzgebirge ist das benachbarte Vogtland nicht beteiligt. Steffen Gerisch wurmt das - zumal niemand sagen konnte, warum das Vogtland außen vor ist. An fehlender Tradition kann es aus seiner Sicht nicht liegen: Bereits 1503 hatte Auerbach ein Bergamt, in jenem Jahr war für die dortigen Bergwerke die sogenannte Voigtländische Bergordnung erlassen worden. Ab 1513 galt diese auch für Oelsnitz, Lauterbach und Schönbrunn. 1516 erhielt Falkenstein ein Bergamt. Auerbach wurde 1543 in den Rang einer Bergstadt erhoben. 1674 erfolgte die Vereinigung der Bergämter Auerbach und Oelsnitz zum Bergamt Voigtsberg, das bis 1830 bestand.
Vor nunmehr zehn Monaten hatte Steffen Gerisch die Hoffnung geäußert, dass er doch noch Partner für das Projekt begeistern könne. Nun steht der Schneckenstein neben dem steinernen Wald Chemnitz und dem westsächsischen Textilmuseum Crimmitschau auf der sächsischen Bewerberliste für das Weltkulturerbe. Eine Kommission wird bis Juli entscheiden, welche zwei Stätten aus dem Freistaat dann auf die bundesweite Bewerberliste kommen.
Erst vor wenigen Tagen hat Gerisch erfahren, dass die Defa in den 1960er Jahren am Schneckenstein Aufnahmen für Märchenfilme gedreht haben soll. Der Sache will er nun nachgehen: "Vielleicht gibt es ja noch Leute, die mehr davon berichten können, und eventuell noch die Filmnamen wissen. Das wäre toll."
Der Schneckenstein ist heute eine etwa 24 Meter hohe Felsklippe zwischen Klingenthal, Muldenberg und Tannenbergsthal. Bekannt ist der Felsen nachweisbar seit dem 17.Jahrhundert. 1727 entdeckte der Auerbacher Tuchmacher Christian Kraut Topase im Gestein. Zwischen 1734 und 1800 baute die Zeche Königskrone am Schneckenstein Topase ab. Einige der Edelsteine befinden sich heute im Grünen Gewölbe Dresden und im Schatz der englischen Krone. 1800 wurde der Felsen der Bergakademie Freiberg als Forschungsobjekt übergeben. Seit 1938 steht er als Naturdenkmal unter Schutz.


