Günther Schmidt mit dem abgerissenen Briefkasten vor dem kaputt gefahrenen Zaun seines Wochenendgrundstücks in der Bungalowsiedlung oberhalb des Alaunwerks Mühlwand.
Foto: Franko Martin
Zaun in Reichenbach zum fünften Mal von Auto demoliert
Anwohner fordert seit Jahren Leitplanke in abschüssiger Linkskurve
Reichenbach . Günther Schmidt steht fassungslos vor seinem Wochenendgrundstück. "Zum fünften Mal seit der Wende hat jetzt ein Auto den Zaun demoliert", sagt er. Zwischen dem 27. und 29. Januar wurde eine Zaunsäule umgefahren. Der Maschendraht ist zerbeult, die Halterung des Briefkastens kaputt.
Was den 77-jährigen Mylauer besonders ärgert: "So wie es aussieht, werde ich die Reparatur zum vierten Mal selber zahlen müssen. Der Verursacher ist mal wieder auf und davon. Und ich werde 500 Euro los." Zwar sucht die Polizei Zeugen, doch große Hoffnung hat Schmidt nicht. Nur einmal, im Mai 2008, hat die Polizei den Unfallfahrer gestellt.
Die scharfe, abschüssige Linkskurve auf der Kreisstraße K 7811 von Reichenbach über die Schwarze Tafel in Richtung Mühlwand hat es in sich. Wer hier zu schnell ist, der fliegt mit seinem Auto von der Fahrbahn. Vorwiegend bei Schnee und Eis und zumeist im Scheitelpunkt der Kurve. Genau dort steht Günther Schmidts Zaun an der Zufahrt zur Bungalowsiedlung, dem Naherholungszentrum am Alaunwerk. Unfallgefahr droht auch ein paar Meter weiter: "Etliche Autos sind schon den steilen Abhang hinuntergeschossen oder haben sich überschlagen", erzählt Schmidt.
"Eine Leitplanke würde die Gefahrenstelle entschärfen", ist sich der Senior sicher. Deshalb wandte er sich im Februar 2006, als sein Zaun zum dritten Mal beschädigt worden war, an das Straßenbauamt Plauen. Immerhin seien bei der Rekonstruktion der Kreisstraße "an vielen Teilstücken Leitplanken montiert" worden, nur in eben jener Linkskurve nicht. Am 30. März kamen Michael Auerbach und Wolfgang Schumann vom Straßenbauamt und Straßenmeister Bodo Grunwald zur Ortsbesichtigung. Günther Schmidt erläuterte sein Anliegen. Das schriftliche Ergebnis, datiert vom 3. April 2006, war ernüchternd: Laut Polizei sei der Bereich kein Unfallschwerpunkt. Das Straßenbauamt sah "keine Notwendigkeit für die Errichtung von Schutzplanken" und argumentierte: "Es könnte zur Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer kommen."
Nach dem jüngsten Unfall hat Schmidt am Donnerstag seine Forderung nach einer Leitplanke in einem Brief an das Straßenbauamt Plauen erneuert, das jetzt Niederlassung des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr ist. Der dortige Abteilungsleiter Planung und Straßenbau, Günter Schott, verwies am Freitag auf Anfrage der "Freien Presse" an das Landratsamt: "Kreisstraßen liegen in der Zuständigkeit des Vogtlandkreises." Das Landratsamt indes sieht die Zuständigkeit bei der Stadtverwaltung Reichenbach. Der dortige Sachgebietsleiter Verkehrswesen, Joachim Edelmann, erklärte: "Besagte Stelle ist nicht als Unfallschwerpunkt eingestuft." Er will jedoch am Montag beim Reichenbacher Polizeirevierleiter und beim Straßenmeister nachhaken. Für Leitplanken sei aber das Kreisbauamt zuständig, bekräftigte er. Die Polizeidirektion Südwestsachsen vertröstete auf Nachfrage ebenfalls auf Montag.


