Die Stufen hinauf zum und hinab vom Rathaus kann Wilfried Christer wie andere Behinderte nur schwer bewältigen, weil ein Geländer, an dem er sich festhalten könnte, fehlt.
Foto: Ralph Köhler
Behinderter aus Zwickau kämpft gegen Hindernisse
Zwickauer hat eine große Aktie daran, dass wichtige Fußgängerampeln so umgerüstet werden, dass sich Blinde orientieren können
Zwickau. Es klingt zwar paradox, aber trifft den Nagel auf den Kopf: Der hochgradig sehbehinderte Wilfried Christer schaut Stadtrat, Behörden und Unternehmen ganz genau auf die Finger. Und zwar immer dann, wenn es um ein barrierefreies und behindertenfreundliches Zwickau geht. "Ich sehe nur noch drei bis fünf Prozent und war durch eine Fußamputation auch noch an den Rollstuhl gefesselt. Das Laufen fällt mir weiterhin schwer. Doch lamentieren ist nicht mein Ding. Ich will weiter aktiv sein, etwas bewegen. Deshalb bin ich wieder rausgegangen, auch allein", sagt der 56-Jährige.
Rathaus birgt noch Hürden
Dabei hat Christer schnell gemerkt, dass er auf Hindernisse stößt, die Leute ohne Behinderungen gar nicht als solche wahrnehmen. Er ging zum Bäcker und konnte das Ampelrot nicht sehen. "Das wäre nicht so schlimm, wenn dieses Klack-Klack-Klack-Geräusch mir signalisieren würde, wann ich gehen kann. Doch an einigen Ampeln fehlt es ganz, an anderen sollte es wenigstens 6 bis 21 Uhr funktionieren", sagt er. "Ich freue mich, dass mein Vorschlag, den ich für den Bürgerhaushalt eingebracht habe, jetzt umgesetzt wird." Dieser sieht 50.000 Euro für die Aufrüstung von wichtigen Ampeln im Stadtgebiet vor.
Eine Ecke in Christers Wohnzimmer gleicht einem Büro. Der Mann, der früher als selbstständiger Versicherungskaufmann arbeitete, hat sich alle Hilfsmittel besorgt, die ihm auch als fast Blinden die Arbeit am Computer ermöglichen. Wenn er in der Stadt unterwegs ist und Barrieren für Behinderte aufspürt, spricht er die nötigen Angaben sofort in sein Diktiergerät, das er immer dabei hat, und macht die Verantwortlichen vom Zwickauer Tiefbauamt bis zu den Städtischen Verkehrsbetrieben (SVZ) darauf aufmerksam. "Zur SVZ habe ich inzwischen einen guten Draht. Dort ist mein Rat bei der Umsetzung von Bauprojekten gefragt", freut sich der Mann.
Das Ergebnis des für 18 Millionen Euro sanierten Rathauses allerdings ärgert ihn, weil es dort immer noch Hürden für Behinderte gibt. "So ist das Bewältigen der Stufen hinauf zum Haupteingang ein Problem für Blinde und Leute, die schlecht zu Fuß sind. Es gibt nicht mal ein Geländer, an dem sie sich festhalten können", sagt er. "Die Stadt verweist zwar auf den stufenlosen Zugang von der Inneren Schneeberger Straße her, aber den findet ein Blinder gar nicht, weil ein Leitsystem dorthin fehlt. Und Rollstuhlfahrer können die Gaststätte im Rathaus nicht besuchen, weil diese nur über eine Treppe erreichbar ist."
Der Maßnahmekatalog für eine barrierefreie und behindertenfreundliche Stadt, der im Sommer 2003 vom Stadtrat beschlossen worden ist, sei zwar ein guter Ansatz, doch Christer kritisiert, dass er nicht konsequent umgesetzt und fortgeschrieben worden ist. Die Behindertenbeauftragte der Stadt, Irina Teichert, räumt das ein. "Aber als ehrenamtliche Beauftragte habe ich es schwer. Ich bin oft in der Rolle einer Bittstellerin", sagt sie. Gerade beim Rathausumbau habe sie das gespürt. Beim Bau des Sportbades in Schedewitz dagegen laufe die Zusammenarbeit mit den Planern ganz gut.
Besseres Handlungskonzept
Wie künftig Ämter und Planer besser in die Pflicht genommen werden können, darüber habe sie jetzt mit Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) gesprochen. "Ziel ist es, ein neues, besser handhabbares Handlungskonzept für eine behindertenfreundliche Stadt zu erarbeiten", sagt Irina Teichert.
Gegenwärtig werde überlegt, ob die Arbeit mit Zielvereinbarungen zu bestimmten Vorhaben sinnvoll ist. Im April werde das Thema im Stadtrat beraten.
Einen weiteren Schwachpunkt in Sachen Behindertenfreundlichkeit hat Wilfried Christer mit dem Bahnhof ausgemacht. "Es gibt zwar Fahrstühle zu den Bahnsteigen, aber als Rollstuhlfahrer gelangt man gar nicht ins Gebäude hinein, weil die Türen nicht selbstständig öffnen. Zwar wurden diese vor Jahren von der Deutschen Bahn mit einer Automatik ausgerüstet, aber die war dauernd defekt. Und ein erneuter Einbau der Technik ist laut meinen Informationen nicht vorgesehen", sagt er. "Für Blinde gibt es kein Leitsystem zu den Fahrstühlen sowie von diesen zu den Bahnsteigen. Um alle Hürden bewältigen zu können, müssten eigentlich immer ein Blinder und ein Rollstuhlfahrer zusammen verreisen", scherzt er.
Die "Freie Presse" hat die Deutsche Bahn auf die Missstände angesprochen und erfahren, dass nun doch zumindest eine Tür wieder mit einem automatischen Türöffnungssystem ausgerüstet werden soll. Zurzeit würden Kostenvoranschläge eingeholt. Die Ergänzung von Leiteinrichtungen für Blinde sei mit der Erneuerung der Bahnsteigoberflächen vorgesehen. Aber: "Derzeit können wir keinen verbindlichen Termin zur mittelfristigen Einordnung dieser umfangreichen Maßnahmen benennen", sagt Bahnsprecherin Erika Poschke-Frost. Und so sind Behinderte dort vorerst weiter auf fremde Hilfe angewiesen.


20:23 Uhr
mixl: Vor einiger Zeit hat eine Telefonmarketing-Firma (aus Taunusstein)... oh, entschludigung - natürlich ein Marktforschungsinstitut - ist ja ganz was anderes und total fundiert wissenschaftlich seriös.... im Auftrag der Verwaltung von vielen Städten und Landkreisen - wie auch bei uns in Zwickau telefonische Umfragen durchgeführt.
Die Rufnummern wurden zufällig gewählt. Dabei sah ich dann jeden Abend zuhause mehrfache Anrufe der gleichen Nummer aus Taunusstein. Als ich eines Abends (nach 19 Uhr) wieder mal versucht wurde anzurufen hab ich abgenommen.
Das ganze läuft nach einem totalen Formalismus ab - eben Schema 0815, auch bekannt als "wissenschaftlich fundierte Methode". Nach einem Zufallsprinzip wurde zuerst erfragt wieviele Wohnungangehörige es gibt, dann wurde nach der 2.ältesten gefragt - die Umfrage könne nur mit dieser Person durchgeführt werden.
Dumm nur das die Telefonnummer eigentlich nur für ein Faxgerät einer gehörlosen genutzt wird - die nun auch zufällig die 2. älteste Person im Haushalt ist. Nach einer Rückfrage beim Vorgesetzten (4-5 Minuten) wurde mir dann mitgeteilt das die Umfrage so leider nicht fortgesetzt werden könne.
Frage: Wie viele Telefonanschlüsse gibt es in Zwickau? Wie viele Senoiren oder Arbeitnehmer haben Lust sich so einen Quatsch anzutun? Und dafür werden auch noch Steuergelder ausgegeben...