Blitzer in Meerane kann Raserei nicht mindern
In 105 Kontrollen hat die Stadt im Vorjahr 3253 Verkehrssünder ausgemacht
Meerane. Die Bilanz von Iris Anders, Leiterin des Fachbereichs Bürgerdienste, fällt nüchtern aus: Ziel nicht erreicht. Ziel war, die Raserei zu unterbinden, den Verkehr sicherer zu machen. Deswegen hatte sich die Stadt die neue Blitz-Technik zugelegt, mit der sie aus einem Auto oder vom Straßenrand aus den Verkehr überwachen kann.
Welche Konsequenzen die Ordnungshüter aus dieser vergeblichen Liebesmüh ziehen, ob nun noch mehr oder gar weniger geblitzt wird, war am Freitag bei Rathaussprecherin Heike Hönsch nicht in Erfahrung zu bringen. Die gute Nachricht betrifft den Bereich Finanzen: Gerät und Personal tragen sich selbst, erfuhr Stadtrat Wolf-Dieter Stöckl (Freie Wähler) auf seine Nachfrage. An Verwarngeldern hat die Stadt laut Kämmerin Kerstin Eis im Vorjahr 73.350 Euro eingenommen. In etwa so teuer seien die Ausgaben.
Ein Blick auf drei Halbjahresstatistiken zeigen: Die Geschwindigkeitsüberschreitungen nehmen nicht ab. Iris Anders: "Und das, obwohl es sich herumgesprochen hat, dass wir zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs sind."
Raserschwerpunkte sind vor allem die August-Bebel-Straße, in der es im zweiten Halbjahr 2010 56 Raser gegeben hatte, im zweiten Halbjahr 2011 sogar 198. In der Hohen Straße wurden 170 Fahrer von Juli bis Dezember 2010 mit überhöhter Geschwindigkeit erwischt, von Juli bis Dezember 2011 waren es bereits 568. Im Götzenthal, das wohl als beliebter Schleichweg genutzt wurde, als die Gößnitzer ihre Umgehungsstraße bauten, wurden zur selben Zeit 326 Autos geblitzt. Im ersten Halbjahr 2011 waren es gerade einmal 11. Insgesamt stieg die Zahl rapide an: 197 Fälle waren es im zweiten Halbjahr 2010, 1404 im ersten Halbjahr 2011, 1851 im zweiten Halbjahr 2011.
Was Iris Anders besonders ärgert, ist die Ignoranz der Raser gegenüber öffentlichen Einrichtungen. "Wir stehen beispielsweise an der Chemnitzer oder an der Oststraße vor Kindergärten, Schulen, Apotheken." Überhaupt werde nicht auf der grünen Wiese, sondern nur im bebauten Bereich geblitzt. Diese Statistik aber erfasst nur die Straßen der Stadt. Auf Staats- und Kreisstraßen blitzen Polizei und der Landkreis, deren Zahlen kennt die Stadtverwaltung nicht.
3117 Fahrer mussten im Vorjahr ein Verwarngeld zahlen. 118 bekamen ein Bußgeldverfahren angehängt. Gerade mal 18 Fälle wurden laut Iris Anders eingestellt. Sechs Verfahren liegen noch am Gericht. Da gehe es um den Entzug der Fahrerlaubnis. Zwölf Fahrverbote sind bereits ausgesprochen worden.
Einen direkten Zusammenhang zwischen Rasern und Unfällen kann die Verwaltung nicht herstellen, beantwortete Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos) zur Ratssitzung eine Frage von Stadtrat Sven Schilling (Die Linke). Das könne nur die Polizei. Die aber hat die Unfallzahlen noch nicht bekannt gegeben.
Das Polyscan Speedmobil arbeitet nach Informationen der Bürgerdienste-Leiterin sehr präzise, es misst mehrere Fahrzeuge auf bis zu drei Spuren und ordnet diese eindeutig zu, braucht keine Sensoren, Lichtschranken oder Schleifen. Laut Bürgermeister Ungerer schießt das Gerät selbst durch Motorradvisiere gestochen scharfe Bilder.


