An der Muldebrücke bei Wernsdorf sind die Schotten seit langem dicht - zum Ärger der Anwohner. Das Geld für einen Neubau kann die Stadt Glauchau nicht aufbringen. In der mittelfristigen Finanzplanung der Großen Kreisstadt ist die Wernsdorfer Brücke nicht vorgesehen.
Foto: Wiegand Sturm
Gesperrte Muldebrücke kappt Verbindung ins Zwickauer Land
Seit anderthalb Jahren ist Brücke in Wernsdorf komplett dicht
Glauchau. Andreas Winkler, CDU-Ortsvorsteher von Wernsdorf, ist sauer. Er erhoffte sich, während der Fragenstunde mit dem Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) "klare Auskünfte" zur Zukunft der Muldebrücke zu bekommen. Er hatte das Stadtoberhaupt zuvor angeschrieben und angekündigt, das Thema zur Ortschaftsratssitzung zur Sprache zu bringen.
Doch mit der Antwort, die Dresler ihm und den etwa 40 Einwohnern gegeben hatte, sind die Wernsdorfer unzufrieden. "Wenn man bedenkt, wie lang der Vorlauf für den Neubau der Konsumbrücke in Niederlungwitz war, sollte in Wernsdorf schnell etwas passieren", sagt zum Beispiel Elke Gudrun Heber. Sie sitzt für die Linke im Ortschaftsrat Wernsdorf. "Die Stadt sollte endlich Geld in die Hand nehmen, und zumindest eine Vorplanung erarbeiten", fordert Winkler.
Stadt bringt das Geld nicht auf
Im Entwurf des mittelfristigen Finanzplanes, der auf der Stadtratssitzung am Donnerstag mit dem Haushaltsentwurf für das Jahr 2012 vorgelegt wird, ist aber kein Geld für die Wernsdorfer Brücke vorgesehen. OB Dresler spricht davon, dass der Neubau der Brücke, wenn sie für Autos befahrbar werden soll, etwa 2,5 Millionen Euro kosten würde. Die Schätzung beruhe auf Baupreisen aus dem Jahr 2010. Abzüglich der Fördermittel, die über das Programm "Integrierte ländliche Entwicklung" bewilligt werden könnten, hätte die Stadt immer noch 1,52 Millionen Euro zu tragen. Das Geld könne die Stadt nicht aufbringen, zumal auch die kleine Brücke über den Bach in Richtung Schlunzig erneuert werden müsste.
Variante Nummer zwei wäre eine Brücke für Radfahrer und Fußgänger, die etwa 750.000 Euro kosten würde, weil sie auch eine Spannweite von 1,25 Metern brauche. Dafür gebe es aber keine Fördermittel. Auch dieses Geld könne die Stadt nicht zur Verfügung stellen. Ein Abriss würde 90.000 Euro kosten. OB Dresler: "Warum aber sollten wir jetzt 90.000 Euro verbrennen, wenn nicht klar ist, was mit der Brücke wird?" Und weiter: "Glauchau hat in der Infrastruktur und im Städtebau einen Rückstand von zehn Jahren gegenüber anderen Städten."
Die beiden Schlossbrücken mussten seinen Worten nach repariert werden, weil sie einsturzgefährdet waren. Der Scherbergbrücke, deren Sanierung kurz vor dem Abschluss stehe, drohte wegen des schlechten Bauzustandes die Sperrung. Die Konsumbrücke in Niederlungwitz, die nächstes Jahr neu gebaut wird, ist seit vielen Jahren für Lastwagen und Busse gesperrt.
Wernsdorfer bleiben unzufrieden
Doch die Wernsdorfer finden sich mit dem Zustand ihrer Brücke nicht ab. "Keiner von den Einwohnern hat sich an die Sperrung gewöhnt", sagt Elke Gudrun Heber. Ortschef Winkler schwebt eine konzertierte Aktion vor. Die Brücke sei eine wichtige Verbindung nach Schlunzig und damit ins ehemalige Zwickauer Land. Deshalb müsse mit den Ortschaften jenseits von Wernsdorf und auch mit dem Landkreis gesprochen werden. "Doch wenn die Stadt nicht weiß, was sie will, ist es natürlich schwierig."
Service
Die öffentliche Stadtratssitzungin Glauchau beginnt am Donnerstag 18.30 Uhr im Ratssaal.
Bevor der Rat in die Diskussion eintritt, können die Einwohner Fragen stellen.


