Karl-May-Stadt baut Personal ab
Gescheiterte Hochzeit von Hohenstein-Ernstthal und Oberlungwitz zeigt erste Folgen: Stellen werden nicht wieder besetzt
Hohenstein-Ernstthal. Hohenstein-Ernstthal und Oberlungwitz bilden keine gemeinsame Stadt. Nun droht der Verwaltung der Karl-May-Geburtsstadt ein schleichender Personalabbau.
"Wir werden keine Kündigungen aussprechen", sagte Uwe Gleißberg, Leiter des Oberbürgermeister-Büros. Er ist für das Thema Personal verantwortlich. Bei Abgängen aus Altersgründen würden Stellen aber zum Teil nicht neu besetzt. Allein in den nächsten drei Jahren hören sechs Mitarbeiter des Rathauses auf. "Wir bilden selbst aus." Die Zahl der Lehrlinge reiche aber nicht, um alle freien Stellen zu besetzen. Schon bald könnten im Rathaus weniger Menschen arbeiten. Welche Bereiche in welcher Weise zu welchem Zeitpunkt betroffen sind - all das stehe noch nicht fest. Gleißberg: "Es wird gleichmäßig vonstattengehen."
Offen ist auch die Situation für das gerade begonnene Jahr. Wegen der Umstellung auf Doppelte Buchführung in Konten (Doppik) hat die Stadt bislang keinen Haushalt für 2012 verabschiedet. Erst im Frühjahr soll es so weit sein. Daher gibt es keinen neuen Stellenplan. Derzeit hat das Rathaus 83 Mitarbeiter.
Anders hätte die Situation laut Uwe Gleißberg bei einem Zusammenschluss von Hohenstein-Ernstthal und Oberlungwitz ausgesehen. In diesem Fall wären die beiden Verwaltungen zusammengelegt worden. "Oberlungwitz ist eher schlank aufgestellt", erklärt Gleißberg. Zum Beispiel gebe es in Hohenstein-Ernstthal eine eigene Wirtschaftsförderung. "In Oberlungwitz wird sie vom Bürgermeister mit übernommen. Solche Aufgaben hätten für Oberlungwitz mit erledigt werden können." Viel Personal gibt es zudem im Hohenstein-Ernstthaler Bauamt. Derzeit werden in der Karl-May-Stadt viele größere Vorhaben umgesetzt. Unter anderem entstehen der neue Bauhof und die neue Sachsenring-Mittelschule. Entsprechend viel Personal nötig. Da es in Zukunft weniger derartige Vor-haben gibt, werden weniger Mit- arbeiter gebraucht.
Steffen Schubert (parteilos), Bürgermeister in Oberlungwitz, hat keine entsprechenden Sorgen. "Bei uns ist das Personal wegen der geringen Einwohnerzahl eher knapp", sagt er. Anhand eines speziellen Schlüssels wird die Zahl der Stellen berechnet. Im Oberlungwitzer Rathaus arbeiten momentan 18 Menschen. "Sie sind in Teilzeit beschäftigt und haben mehr als genug zu tun", sagt Schubert. "Ein Zusammenschluss hätte die Situation erleichtert. Es lässt sich nun nicht mehr ändern." Die Oberlungwitzer hatten sich Anfang November während eines Bürgerentscheides mit deutlicher Mehrheit gegen eine Hochzeit der Nachbarstädte ausgesprochen.


