Wo sich sonst Hundefreunde, Stammgäste und Parkbesucher treffen, herrscht gespenstige Stille.
Foto: Wiegand Sturm
Meerane: Der "Uhu" bleibt verwaist
Viola Junge darf Kiosk im Stadtpark nicht öffnen - Ihre Verzweiflung wächst mit jedem Tag
Meerane. Der Volksmund hat zwei Bezeichnungen für den Kiosk im Meeraner Stadtpark gefunden. "Uhu" oder "Waldgeist" wird er genannt. Doch Viola Junge, Betreiberin des Kiosks, steht trotz der beiden wohl klingenden Namen derzeit vor einem existenziellen Problem: Seit 13. Juli darf sie laut eines Schreibens der Stadtverwaltung ihre Wirtschaft nicht mehr öffnen.
Die Stadt hatte den gesamten Stadtpark am 11. Juli für Besucher gesperrt, weil nicht standfeste Bäume Erholungsuchende gefährden könnten und zurückgeschnitten werden müssen. "Ich weiß, dass ich nichts machen kann", sagt Viola Junge. "Es tun mir vor allem meine Gäste leid, die jeden Tag kommen. Heute hatte ich allein drei Anrufe, ob man denn schon wieder vorbeikommen könnte." Seit fast drei Wochen fehlt ihr der Umsatz. "Bis jetzt bin ich immer über die Runden gekommen", sagt die 53-Jährige. Doch was sie drückt, sind die Fixkosten, die ihr keiner ersetzt oder erwirtschaftet. "Krankenkasse, Versicherungen, und, und, und. Da kommen mehrere Hundert Euro im Monat zusammen", sagt sie.
Kiosk-Betreiberin Viola Junge.Foto: Wiegand Sturm
In ihrer Misere bekommt sie allerdings auch Signale, die ihr helfen. "Die Stadt hat angekündigt, dass sie mir die Pacht aus Kulanz erlässt", berichtet Junge. Und dann sind da noch diejenigen, die ihr Mut zusprechen und sie tatkräftig unterstützen. Gertraut Weber zählt zu den Stammgästen des "Uhu" und hilft Viola Junge, wo es nur geht. Das Verbot vonseiten der Stadt ignoriert sie dabei. "Das schert mich nicht", sagt Weber auf dem Weg zum Kiosk. Ebenso wenig schert es die Pächterin selber. "Mir wurde geschrieben, dass ich den Park nicht betreten darf", sagt Junge. "Ich habe der Stadt gesagt, dass ich zu meinem Kiosk gehen werde." Dass das nötig ist, bezweifelt sie in keiner Sekunde. Vom Samstag auf den Sonntag hätten Unbekannte am "Uhu" einen Tisch umgeworfen und zwei Aschenbecher kaputt gemacht.
Seit gut sechs Jahren führt Junge den Kiosk, öffnet ihn außer freitags jeden Tag, egal, bei welchem Wetter. Beim Renovieren des Kiosks im Winter 2005/2006 halfen damalige Freizeitfußballer mit, die sich "Uhus Waldgeister" tauften und regelmäßig mit ihren Kindern vorbeischauten. Thomas Conrad (45) war treibende Kraft bei der uneigennützigen Aktion. "Uns lag viel daran, den Kiosk zu erhalten, und wir haben deshalb unentgeltlich die neuen Toiletten gebaut." "Ohne diese Unterstützung wäre es gar nicht gegangen", sagt Viola Junge über den Einsatz. Die Hilfe von damals hilft ihr derzeit aber nur wenig. Sie kann es kaum erwarten, dass sie ihren Kiosk wieder öffnen kann. "Ich hoffe jeden Tag auf den Anruf, dass ich wieder darf." Das könnte noch dauern. Laut Stadtsprecherin Katja Bach könne die Stadt bislang nicht absehen, wann der Park wieder geöffnet wird.

