Was geschah hinter den Mauern der Westsächsischen Abwasserentsorgungsgesellschaft im Zuge der Geschäftsführer-Entlassung? Nico Tippelt sagt, Dateien seien verschwunden. Oberbürgermeister Peter Dresler will Aufklärung.
Foto: Wiegand Sturm
Stadtrat greift Oberbürgermeister an
Schlagabtausch zwischen Stadtrats-Fraktionsvorsitzenden Tippelt und Oberbürgermeister Peter Dresler
Glauchau. Zwischen dem FDP-Stadtratsfraktionsvorsitzenden Nico Tippelt und dem Glauchauer Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) ist es zu einem Schlagabtausch gekommen. In seiner Haushaltsrede griff Tippelt das Stadtoberhaupt und die Verwaltung an. Dresler sah sich gezwungen zu reagieren, warf Tippelt Populismus und Falschaussagen vor.
"Dass wir dem Haushalt für 2012 zugestimmt haben, bedeutet nicht, dass wir mit allem, was in Glau- chau geschieht, auch einverstanden sind", sagt Tippelt, der für den Nachbarwahlkreis Crimmitschau/Werdau auch im Landtag sitzt. Seine Fraktion unterliege keinem Gruppenzwang, und es gehöre zum Demokratieverständnis, Fragen an den Oberbürgermeister zu stellen und auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen. Die nach wie vor steigenden Personalkosten sind der FDP ein Dorn im Auge - vor allem, weil die Stadt ihren Stellenbedarf extern überprüfen ließ und es in der Kernverwaltung 15 bis 20 Stellen zu viel gebe. Die Entlassung der Geschäftsführer der Westsächsischen Abwasserentsorgungsgesellschaft (WAD), die laut Tippelt "ohne hinreichenden Grund" erfolgt sei, werfe aus seiner Sicht Fragen auf. Dresler ist Aufsichtsratsvorsitzender der WAD und Chef des alleinigen Gesellschafters, des Abwasserzweckverbandes Lungwitztal-Steegenwiesen. In diesen Eigenschaften habe er Aktionismus betrieben.
Dieser Vorwurf bringt Dresler wiederum auf die Palme. Tippelt unterstelle Willkür. Nur der Zweckverband habe das Recht, Geschäftsführer zu berufen oder abzuberufen. Von diesem Recht habe der Verband im Juni Gebrauch gemacht - nach einer Empfehlung des damals eingesetzten Bevollmächtigten. Entscheidungen, die der OB im Zweckverband, dem 19 Kommunen angehören, getroffen hat, seien zuvor im Glauchauer Stadtrat beraten worden. Von Aktionismus könne überhaupt keine Rede sein. Fragen, die Tippelt im Sommer zur Zukunft der WAD gestellt habe, seien schriftlich beantwortet worden. Entweder habe es Tippelt nicht gelesen oder nicht verstanden. Die Zusammenhänge, die zur Steigerung der Personalkosten führten, habe Dresler Tippelt im Ältestenrat, dem Treffen aller Fraktionsvorsitzenden mit dem Oberbürgermeister, zu erklären versucht.
Die Haushaltsreden werden von den Fraktionsvorsitzenden und dem Oberbürgermeister nach dem Beschluss des Haushaltsplanes gehalten und im Amtsblatt abgedruckt.


