Das Schicksal des Bahnhofgebäudes in Waldenburg liegt künftig in den Händen der Stadt.
Foto: Wiegand Sturm/Archiv
Töpferstadt verhindert Bahnhofsverkauf
Kommune will nun ihr Vorkaufsrecht wahrnehmen
Waldenburg. Die Aktion kann Folgen haben, zunächst mal finanzieller Art. Denn die Stadt Waldenburg wird wohl das marode Bahnhofsgebäude selbst bezahlen müssen, weil sie vom Vorkaufsrecht Gebrauch macht. So jedenfalls hat es der Stadtrat beschlossen.
Ende September ist beim privaten Auktionshaus Karhausen in Berlin das Bahnhofsgebäude samt der Zufahrten und Parkplätze versteigert worden. Nach den Worten von Bürgermeister Bernd Pohlers (Freie Wähler) wollen es Privatleute aus Luxemburg für 1750 Euro erwerben. Weil aber das 2600 Quadratmeter große Areal im Sanierungsgebiet Altstadt liegt, hat die Stadt ein Vorkaufsrecht. Darauf wollte Pohlers mit seiner Beschlussvorlage eigentlich verzichten, doch die Stadträte sahen das anders und lehnten den Vorschlag ab. "Wir wissen nicht, was der Erwerber mit dem Bahnhof vor hat", sagte Ingo Heinig (Freie Wähler). Stephan Grünwald (CDU) fragte, wer die Verantwortung trägt, wenn sich der Dummejungenstreich vor einigen Monaten wiederholt. Damals wurden vom Bahnhof aus die Schranken an der Bundesstraße heruntergelassen. "Kann dann der Eigentümer, den wir nicht kennen, schnell reagieren?", fragte er. Dürfe die Stadt es an seiner Stelle? Und Fraktionskollege Thomas Sprunk sprach sich ebenfalls dafür aus, auf das Vorkaufsrecht nicht zu verzichten. "Ich denke, aus dem Bahnhof kann man was machen", sagte er. Anders sieht es Georg Günther (CDU): "Jetzt haben wir neben dem Marstall ein weiteres leer stehendes Gebäude in der Stadt."
"Ich wusste, dass es schwer wird", sagte Bürgermeister Pohlers nach der Abstimmung. Bislang habe die Stadt noch nie ihr Vorkaufsrecht wahrgenommen, wenn es um eine Versteigerung ging. Pohlers geht davon aus, dass die Töpferstadt den Erwerbspreis bezahlen muss und gegebenenfalls auch für die Kosten aufkommt, die der ursprüngliche Erwerber unter Umständen schon hatte.
Matthias Knake vom Versteigerungshaus bestätigt das. "In solchen Fällen tritt derjenige an die Stelle des Erwerbers, der vom Vorkaufsrecht Gebrauch macht", sagt er. Einzelheiten über Käufer und Notar gibt er nicht preis. Bei seiner Winterauktion Anfang Dezember hatte das Haus noch weitere Bahnhofsgebäude an den Mann gebracht, darunter knapp 40 in Sachsen.


