Gerichtsreport: Rottweiler beißen kleines Mädchen

Besitzer kommen mit einem blauen Auge davon

Zwickau. Vor dem Zwickauer Amtsgericht musste sich am Mittwoch ein Ehepaar aus Reinsdorf wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Im Sommer 2010 sollen zwei Rottweiler die Nichte der Angeklagten angefallen und ins Bein gebissen haben. Die Wunde verheilte zunächst gut, obwohl kein Arzt aufgesucht wurde. Später musste das damals vierjährige Mädchen mehrere Tage im Krankenhaus verbringen, weil sich Eiter gebildet hatte und es laut Aussage der Mutter zu einer Knochenhautentzündung kam.

Das tierliebe Mädchen war damals gerade auf Besuch bei ihrem Vater, der bei seinem Bruder im Haus lebte. Als sie gemeinsam Tauben füttern wollten, wurden sie von den freilaufenden Hunden bedrängt. "Die Rottweiler wollten an das Taubenfutter ran", erklärte der Angeklagte vor Gericht. Weil das Kind Angst bekam, nahm es ihr Vater hoch. Kurz danach stürzte er. "Die Tiere müssen sich erschrocken haben", begründet der Hundebesitzer. Als das Ehepaar schließlich zur Hilfe eilte und die Rottweiler wieder in ihren Zwinger sperrte, blutete das Mädchen an der Wade. Laut Aussage des Ehepaars habe es sich aber lediglich um leichte Kratzspuren gehandelt.

Als die Mutter ihr Kind wieder abholte, erfuhr sie von dem Vorfall und suchte gleich am nächsten Tag einen Arzt auf. Als das Bein anschwoll, wurde die Vierjährige an einen Chirurgen und später ins Krankenhaus überwiesen. Die Mutter erstattete Anzeige.

Das Amtsgericht Zwickau musste in der Verhandlung am Mittwoch nun klären, ob das Ehepaar aus Reinsdorf seiner Aufsichtspflicht nicht nachgekommen war und es dadurch zu der Hundeattacke kommen konnte. Nach einer zweistündigen Verhandlung wurde das Verfahren gegen die 46-jährige Hundezüchterin und ihren 42-jährigen Ehemann eingestellt. Grund für diese Entscheidung war laut Richter Jürgen Dietel, dass die Verletzung des Kindes nicht von einer beißwütigen und aggressiven Attacke der Rottweiler stammte. "Dass sich die Hunde nach dem plötzlichen Sturz des Vaters erschrecken, ist ein ganz normales tierisches Verhalten." Warum die Hunde letztlich zugeschnappt haben, könne nicht mehr ermittelt werden. "Es gibt aber keine Anhaltspunkte, dass es sich um Bestien gehandelt hat", sagte Dietel. Der Vorfall sei außerdem von den Besitzern nicht vorhersehbar gewesen.

 
erschienen am 15.02.2012 ( Von Denise märkisch )
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