Foto: Tilo Steiner
Glücksspiel: Las Vegas des Landkreises Zwickau liegt an der Pleiße
Insgesamt 628 Spielautomaten stehen in den zehn größten Kommunen in Westsachsen
Crimmitschau/Zwickau. Die Zahl der Glücksspielautomaten ist in den zehn größten Städten und Gemeinden im Landkreis in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Gab es 2002 genau 589Geräte in Spielhallen und Gaststätten, so waren es zum Jahreswechsel insgesamt 628.
Diese Zahl wird auch in einem Bericht des Vereines "Arbeitskreis gegen Spielsucht" aus Unna stehen. Derzeit befragt das Team um Leiter Jürgen Trümper alle bundesdeutschen Orte mit mehr als 10.000 Einwohnern, wie viele Automaten in Gaststätten und Spielhallen angemeldet sind. Diese Daten werden dann ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt. In Westsachsen lieferten zehn Kommunen die geforderten Daten. Dabei gibt es im Landkreis extreme Unterschiede. So hat Crimmitschau statistisch gesehen die höchste Dichte an Glücksspielautomaten. An zweiter Stelle rangiert Zwickau. Dort ist die Zahl in den vergangenen zwei Jahren sehr stark gestiegen. Während vor zwei Jahren noch 400 Einwohner auf einen Glücksspielautomaten kamen, sind es derzeit 290. Gleichfalls unter dem bundesdeutschen Durchschnitt liegt Meerane.
Was Trümper und die Mitarbeiter in Suchtberatungsstellen als eine gefährliche Entwicklung empfinden, sieht man im Crimmitschauer Rathaus anders. "Wir sehen jeden Unternehmer, der sich im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben bewegt, als Gewinn", erklärt Stadtsprecher Jens Ewert. Genau 91.477,64 €Euro spülte das Glücksspiel 2011 in die Stadtkasse. In Zwickau sind es sogar 741.000 Euro gewesen. Allerdings sagt Stadtsprecher Mathias Merz: "Wir sehen die Zunahme eher kritisch, die Einnahmen stehen nicht im Vordergrund."
Dass viele Automaten in einer Stadt nicht gut fürs Geschäft sind, weiß Armin Römer. Von 1992 bis 2008 betrieb er in Crimmitschau die Spielothek Flic-Flac. "Jeder Betreiber hat um seine Stammgäste gekämpft", sagt er. Die Glücksspielverordnung verschlechterte 2006 die Situation, denn sie schrieb eine Absperrwand zwischen zwei Geräten vor, damit nicht parallel gespielt wurde. Zudem seien die Automaten immer teurer geworden. "Bis zu 9000 Euro kostet die Miete für ein Gerät pro Jahr", erklärt der Crimmitschauer. Dies war einer der Gründe, warum er seine Spielhalle zugesperrt hat. Doch die Automaten wurden in der Stadt nicht weniger.


