Michael Roscher, zuständig für das Forschungszentrum in Pleißa, zeigt einen Roboterplatz zum Stapeln von Batteriezellen.
Foto: Andreas Seidel
Anlagenbauer setzt auf Batterien
Zahl der Elektrofahrzeuge soll sich deutlich erhöhen - Thyssen Krupp will diese Chance nutzen und seine Produktion erweitern
Hohenstein-Ernstthal. Hohenstein-Ernstthal. 270 Menschen arbeiten derzeit bei Thyssen Krupp System Engineering in Hohenstein-Ernstthal sowie im Limbach-Oberfrohnaer Ortsteil Pleißa. Der Anlagenbauer will nun seine Mitarbeiterzahl erhöhen. Bis zu 20 neue Arbeitskräfte sollen in den kommenden Monaten eingestellt werden. "Wir suchen insbesondere Ingenieure", sagte Niederlassungsleiter Thorsten Körbs. Grund: Das Unternehmen setzt verstärkt auf den Bereich Elektromobilität, also Batterien für Fahrzeuge.
Thyssen Krupp will verstärkt Anlagen produzieren, die für die Herstellung der Batterien gebraucht werden. In den vergangenen zwölf Monaten wurde dafür eigens ein Forschungszentrum in Pleißa verwirklicht. "Etwa vier Millionen Euro wurden investiert", erklärte Körbs. In Hohenstein-Ernstthal werden die Ergebnisse in Anlagen umgesetzt. Kerngeschäft bleibe jedoch die Produktion von Maschinen für den Automobilbau. Der Standort Hohenstein-Ernstthal hat sich insbesondere auf sogenannte Chassis spezialisiert. Dahinter verbirgt sich die Fahrzeughülle. "Zu unseren Kunden zählen unter anderem BMW, Porsche und Volkswagen Sachsen", sagte Körbs. Der Anteil an Anlagen für Batterien liege derzeit bei etwa 10 Prozent. Thorsten Körbs gibt sich zuversichtlich. Bei den Batterien handle es sich um einen Wachstumsmarkt. Gerade Hersteller wie Renault bieten schon Elektroautos an. Hinzu kommen Hybridfahrzeuge, die sowohl über einen Verbrennungs- als auch über einen Elektromotor verfügen. In beiden Varianten werden zum Speichern von Energie Batterien benötigt.
Bei den ausschließlich per Elektromotor betriebenen Autos gebe es noch große Herausforderungen, sagte Holger Gritzka, der im Unternehmen für das Thema Batterien zuständig ist. "Um die 300 Kilogramm sind die Batterien noch schwer." In der vergleichsweise recht geringen Reichweite sieht er kein Problem. Meist würden ohnehin nur kürzere Strecken zurückgelegt. Gibt es eine entsprechende Infrastruktur, kann das Fahrzeug zum Beispiel geladen werden, während der Besitzer bei der Arbeit ist. Forschungsbedarf gebe es vor allem bei den Kontakten. Jede Batterie besitzt mehrere Zellen. Nicht nur sie, sondern auch die einzelnen Batterien, die letztlich eine große bilden, müssen miteinander verbunden werden. "Es ist eine hohe Qualität nötig, ansonsten können sich die Kontakte erwärmen", sagte Gritzka. Dann droht ein Hitzestau und somit auch ein Brand.
Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Dieses Ziel verfolgt die Bundesregierung. Noch sei Asien jedoch Europa einen großen Schritt voraus, erklärte Standortleiter Thorsten Körbs. Besonders in Japan laufe vieles automatisiert mithilfe entsprechender Anlagen ab. In Ländern wie China sei hingegen bei der Herstellung von Batterien viel Handarbeit an der Tagesordnung.
Körbs sieht Thyssen Krupp System Engineering in Europa als Vorreiter. Er glaubt, dass sich Asien in den kommenden Jahren einholen lässt. Damit dies gelingt, sollen zusätzliche Mitarbeiter das Unternehmen voranbringen. Erste Fachkräfte wurden bereits gefunden. Anfang Februar verkündete der Hohenstein-Ernstthaler Solar-Maschinenbauer Roth und Rau, dass wegen des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes Stellen abgebaut werden. Einige der ehemaligen Roth-und-Rau-Mitarbeiter kamen bei Thyssen Krupp in Hohenstein-Ernstthal unter. Laut Körbs besitzen sie das nötige Vorwissen, welches nun im Unternehmen gebraucht wird.
Der Jahresumsatz beläuft sich am Standort auf rund 85 Millionen Euro. "Wir sind in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen", sagte Körbs. 2008 wurden noch 45 Millionen Euro an Umsatz verbucht. Damals zählte das Unternehmen etwa 200 Mitarbeiter. "Wir kamen gut durch die Krise. Es gab bei uns keine Kurzarbeit." Konzernweit sind derzeit rund 3500 Mitarbeiter angestellt. Der Umsatz beläuft sich auf insgesamt 800 Millionen Euro.

