Nach etwas Suchen haben Laura Wenke, Natalie Hänel, Eric Pilz und Maximilian Neubert (von links) sieben Bücher des Abenteuerschriftstellers Karl May in ihrer Schulbibliothek gefunden. Die Gymnasiasten wünschen sich, dass er häufiger im Unterricht vorkommt.
Foto: Andreas Kretschel
Berühmtester Sohn der Stadt ist in Schulen kaum ein Thema
Vor 100 Jahren starb Karl May - Viele Kinder und Jugendliche wissen nur wenig über ihn
Hohenstein-Ernstthal. Mehrere Tausend Bücher gibt es in der Bibliothek des Hohenstein-Ernstthaler Lessing-Gymnasiums - darunter sieben Werke des Abenteuerschriftstellers Karl May. Eher unscheinbar verstecken sie sich zwischen Daniel Kehlmanns "Die Vermessung der Welt" und der Biss-Reihe von Stephenie Meyer.
Natalie Hänel, sie besucht die siebte Klasse, hat bisher noch kein Buch von Karl May gelesen. "Mich interessiert das nicht so sehr. Würde Karl May im Unterricht drankommen, wäre das etwas anderes", sagte die Zwölfjährige. Momentan ist der Abenteuerschriftsteller im LessingGymnasium eher selten ein Thema. An vielen anderen deutschen Schulen sieht es genauso aus. Die Arbeitsgemeinschaft "Karl May in die Schule" der Karl-May-Gesellschaft will das ändern. Bei der Leipziger Buchmesse wurde bereits dafür geworben, den Schriftsteller in die Schul-literatur aufzunehmen.
Klaus Hoppe, Leiter des Lessing-Gymnasiums, steht dem Vorschlag positiv gegenüber. "Karl May wäre in den unteren Klassen, also den sechsten und siebenten, gut angesiedelt", sagte er. Derzeit sei der Abenteuerschriftsteller kein direkter Teil des Lehrplans. Wenn die Kinder ihre Lieblingsbücher vorstellen, wird jedoch aus seinen Werken schon mal vorgelesen. Schüler Maximilian hatte bereits Bücher von Karl May in der Hand. Der Vater des Siebtklässlers, André Neubert, ist Leiter des Karl-May-Hauses. Er sei aber nicht drangeblieben, sagte der 13-Jährige. Klassenkamerad Eric Pilz wünscht sich, dass Karl May mehr im Unterricht vorkommt. Er findet die Bücher spannend. Laura Wenke hat durch ihre Eltern mit Karl May zu tun. "Mein Vati besitzt viele Bücher." Mehr als 750 Schüler besuchen das Gymnasium.
In der Karl-May-Grundschule kommt Karl May ebenfalls nur selten vor. Er sei bereits Thema des fächerverbindenden Unterrichtes gewesen, sagte Leiter Lutz Krauße. Während der zwei Wochen wurde auf das Leben des berühmten Hohenstein-Ernstthaler Sohnes eingegangen. Im Unterricht sei dafür nur wenig Platz, sagte Krauße. "Wir wollen Interesse schaffen. Vielleicht greifen die Kinder später zum Karl-May-Buch." 280 Schüler sind in der Grundschule.
Einmal im Jahr gibt es in der Sachsenring-Mittelschule einen Lesetag, bei dem schon Karl May Thema war. Ansonsten werde sich an den Lehrplan gehalten, sagte Schulleiter Peter Wunderlich. Er findet, dass es darin Freiräume geben sollte. Die könnten mit Karl May gefüllt werden. "Er kommt schließlich aus der Region." Die Idee der Karl-May-Gesellschaft findet er gut. Wichtig sei es, das Lesen stärker zu fördern. Viele der rund 310 Schüler würden vor allem das Internet nutzen. "Ich glaube nicht, dass sie sich genügend mit Karl May auskennen."

