Ein Tag, zwei Feste: Vereine sprechen sich nicht ab
Sportverein bekommt 16.000 Euro für sein Jubiläum, aber Schützen aus Grumbach werden nicht mitfeiern
Callenberg. Der Callenberger Sportverein (CSV) wird 100 Jahre alt. Das soll mit einer Festwoche vom 16. bis 24. Juni 2012 gebührend gefeiert werden. Just an dem Samstag, dem 23. Juni, für den der Höhepunkt des Festes geplant ist, steigt in Grumbach das Schützenfest.
"Wir möchten bei unserem Jubiläum auch das Callenberger Dorffest wieder aufleben lassen", sagt Martin Wange, Vorsitzender des CSV. Das gab es bis in die 1990er-Jahre - mit Karussell und Schießbuden, wie bei einer Kirmes. Doch nachdem das Fest Besuch von einer Gruppe Neonazis bekam, die eine Schlägerei anzettelte, wurde aus Sicherheitsgründen auf eine Feierlichkeit im großen Rahmen verzichtet. Außerdem verbindet der Verein seinen Geburtstag mit dem 850. Jahr des Bestehen der Gemeinde Callenberg, das jedoch nicht offiziell gefeiert werden kann, da die Gründung des Ortes nicht ausreichend belegt ist. Für all das erhält der CSV 11.000 Euro von der Gemeinde. Dazu kommen noch 4000 Euro für eine Ortschronik und 1000 Euro für eine dazugehörige Ausstellung.
Dass in Callenberg zwei große Feiern am gleichen Tag stattfinden werden, sei laut Wange "keine Kontroverse". Der CSV habe das Fest bereits in diesem Sommer angemeldet. Mit der Schützengesellschaft abgesprochen wurde sich nicht. Der Veranstaltungskalender sei ohnehin "eng gestrickt", Überschneidungen ließen sich da kaum vermeiden. "Außerdem folgt danach die Ferienzeit, da wollten wir auch nicht feiern." Überhaupt habe das Fest in Callenberg eine ganz andere Klientel als das Grumbacher Schützenfest. "Bei uns sind die Sportler und Fußballer." Er fügt noch hinzu: "Es kann schon sein, dass sich keiner informiert hat."
Für Heinz Prüstel, Vorsitzender der Schützengesellschaft, ist das doppelte Fest "unverschämt ärgerlich". Das Schützenfest finde schon seit Jahren immer am gleichen Tag statt. Aus dem Amtsblatt habe er davon erfahren und sofort eine Mitgliederversammlung einberufen. "Ich war der Meinung, wir müssten unser Fest absagen. Aber die Mitglieder waren dagegen", sagt er. Schließlich seien auch schon Verträge zum Beispiel mit einer Kapelle geschlossen. Wanges Theorie von unterschiedlicher Klientel akzeptiert Prüstel nicht: "Wenn der CSV so viel Geld für die Veranstaltung bekommt, würden wir da auch gerne hingehen."


