Uwe Bergmann.Foto: Andreas Kretschel
Gemeinde sucht neuen Chef
Bernsdorfer Bürgermeister Uwe Bergmann steht für weitere Wahlperiode nicht zur Verfügung
Bernsdorf. Entweder, es bleibe Arbeit in seinem Unternehmen liegen, oder aber, die Aufgaben im Rathaus können nur unvollständig erledigt werden. Um beide Aufgaben, die hauptberufliche in der Firma und die ehrenamtliche in der Gemeinde, 100-prozentig erfüllen zu können, reiche ein 24-Stunden-Tag einfach nicht mehr aus. "Das ist für mich unbefriedigend". Deshalb habe er sich entschlossen, nicht noch einmal für das Amt des Gemeindechefs zu kandidieren. Bergmann nutzte den Neujahrsempfang am Freitagabend in der Kultur- und Sporthalle, um seine Entscheidung öffentlich zu machen. Gleichzeitig machte er seinem Nachfolger Mut. "Beschlüsse legt der Gemeinderat fest, und da haben die Bernsdorfer bereits gut gewählt. Es macht Freude, mit diesem Gremium zu arbeiten", sagte er.
In der CDU-Fraktion stehen nun Gespräche an. Man wolle einen Kandidaten ins Rennen schicken, sagte Fraktionschefin Ingeborg Tauchert. Wer das ist, stehe aber noch nicht fest. "Das Bürgermeisteramt ist eine sehr umfangreiche Aufgabe, die recht schlecht bezahlt wird. Der Bürgermeister hat lediglich eine Sekretärin, die ihn unterstützt." Zudem müsse er ein dickes Fell haben, etwa wenn es Kritik von den Bürgern gibt. Trotzdem gibt sich Tauchert zuversichtlich. Die CDU habe schon mögliche Nachfolger im Blick. Spätestens Mitte April soll der Kandidat gefunden sein.
"Wir wollten erst abwarten, bis es offiziell bekannt gegeben wurde, dass Uwe Bergmann nicht noch einmal antritt", sagte Roswitha Müller, Fraktionschefin der FDP. In den kommenden Wochen soll es Gespräche geben. In ihnen geht es auch darum, ob die FDP einen eigenen Kandidat stellt oder einen anderen unterstützt. All das sei noch nicht geklärt.
Mit dem Gedanke zu kandidieren, spielt Uwe Zander, Bernsdorfer Ortschronist. Er trat bereits im Jahr 2005 für die FDP gegen Uwe Bergmann an, war jedoch deutlich unterlegen. "Ich würde mich dieses Mal nicht von einer Partei aufstellen lassen, sondern Stimmen sammeln", sagte der 52-Jährige. Etwa 40 seien nötig. Zander findet, dass es im Ort sieben Jahre Stillstand gegeben habe. "Es ist viel zu wenig passiert."
Die Zukunft von Bernsdorf ist nicht zuletzt für die Stadt Lichtenstein von Bedeutung. Das wurde am Freitagabend auch deutlich gezeigt. Bürgermeister Wolfgang Sedner (CDU) kam nicht alleine zum Neujahrsempfang, sondern brachte gleich noch Beigeordnete Dagmar Hamann, Kämmerin Katrin Otto und Bauamtsleiter Mario Hößler mit. Sedner hofft und glaubt, dass die Bernsdorfer nach Eckhard Bigl und Uwe Bergmann wieder einen Bürgermeister wählen werden, der auch die bisher gute Zusammen- arbeit mit der Stadt Lichtenstein fortführt. Eine Sicherheit dafür gebe es natürlich nicht. Er könne das nicht beeinflussen, sagte Sedner und verwies auf das Beispiel St. Egidien. Nachdem Bürgermeister Matthias Keller (CDU) die Geschicke der Gemeinde nicht mehr fortgesetzt hat und Uwe Redlich (ursprünglich SPD, jetzt parteilos) die Aufgabe übernahm, habe es einen regelrechten Schnitt in der Zusammenarbeit gegeben. "Die Meinungsverschiedenheiten sind so groß, dass sie zum Teil gerichtlich ausgetragen werden müssen", sagte Sedner.
Sein größter Wunsch wäre, dass sich die Bernsdorfer entscheiden könnten, ihre kommunale Selbstständigkeit aufzugeben und sich der Stadt Lichtenstein anschließen. Eckhard Bigl, früherer Bernsdorfer Bürgermeister, jetzt Ruheständler und Ehrenbürger der Gemeinde, stimmt Lichtensteins Stadtoberhaupt allerdings nur bedingt zu. Richtig sei, dass eine Verwaltungsgemeinschaft immer das Ziel haben sollte, später einmal einen gemeinsamen Weg zu gehen. Beide Kommunen arbeiten in der Verwaltungsgemeinschaft "Rund um den Auersberg" zusammen. Dazu gehört auch die Gemeinde St. Egidien. Allerdings sagt Bigl auch: "Dorf soll Dorf, Stadt soll Stadt bleiben." Er sieht es aus heutiger Sicht für Bernsdorf als zukunftsweisender, wenn man sich für einen möglichen gemeinsamen kommunalen Weg beispielsweise mit dem Nachbarn Gersdorf zusammentue. Wolfgang Sedner sieht das anders oder zumindest so als nicht zwingend nötig. Zu Bigl sagte er: "Wir betreuen Heinrichsort und Rödlitz. Die Ortschaften sind, seitdem sie zu Lichtenstein gehören, nicht verändert, sondern weiterentwickelt worden."


