14 Jahre vorher: Im November 1997 warben die Fahrer Steve Jenkner, Ralf Waldmann und Jürgen Fuchs (von links) stolz für den ersten Moto-GP.
Foto: Andreas Kretschel
Grand-Prix-Wegfall löst Entsetzen aus
Für die Region war die am Dienstag verkündete Entscheidung ein herber Schlag
Hohenstein-Ernstthal. Monatelang wurde verhandelt, nun ist klar: Im kommenden Jahr wird es auf dem Hohenstein-Ernstthaler Sachsenring keinen Motorrad-Grand-Prix geben. Wie es danach weitergeht, ist völlig offen. In der Region herrschten am Dienstag Enttäuschung, Frust und Verwunderung.
"Für uns ist das ein riesiger Verlust", sagte Hohenstein-Ernstthals Stadtchef Erich Homilius (parteilos), der gerade in den USA-Urlaub macht und dort von der schlechten Nachricht erfuhr. "Ich kann die Entscheidung des ADAC Sachsen nicht nachvollziehen." Der Automobilclub hatte sich zu dem Schritt durchgerungen. Hintergrund: Da die Lizenzgebühren steigen, wären die finanziellen Verluste angewachsen. Homilius: "Man hätte die Ticketpreise entsprechend erhöhen sollen." Auch Beigeordneter Lars Kluge war überrascht. "Das Rennen hat für die Stadt einen enormen Imagegewinn und für die Gewerbetreibenden hohe Einnahmen gebracht. Das fällt nun weg. Wir werden alles dafür tun, dass der Motorrad-GP 2013 wieder da hin kommt, wo er hingehört: nämlich vor 230.000 Fans an den Sachsenring", sagte er. "Wir geben auch für 2012 die Hoffnung nicht auf." Die Stadt wolle nun möglichst schnell Gespräche mit allen Beteiligten führen.
Ähnlich enttäuscht war Wolfgang Streubel, Geschäftsführer der Sachsenring-Rennstrecken-Management-Gesellschaft. "Ich werde lieber nichts sagen. Von dieser Entscheidung ist keiner begeistert." Steffen Schubert (parteilos), Bürgermeister von Oberlungwitz: "Ist der Motorrad-Grand-Prix erstmal weg, wird es schwer, ihn wieder herzuholen. Es sei denn, es läuft auf der neuen Strecke schlecht."
Enttäuschung macht sich breit
Sprachlos reagierte der Glauchauer Rennfahrer Arne Tode, der 2010 als Aktiver die Atmosphäre am Sachsenring genießen konnte. "Es ist traurig, dass es wohl nur noch um das Geld geht", sagte er. Dirk Heidolf, Chef des Intact Teams Germany, äußerte sich schockiert. "Diese 850.000 Euro, die fehlen, wären aufzutreiben gewesen. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen einzelnen Entscheidungsträgern hätte die Panne vermieden werden können." Auch Werner Reiss, seit mehr als 40Jahren am Sachsenring tätig, ist entsetzt: "Ich fasse es nicht, wie man so eine Veranstaltung aus der Hand geben kann."
Hotels befürchten Verluste
Bereits seit vielen Jahren beherbergt Claudia Kästner, Pächterin des Hotels "Wettiner Hof" in Glauchau, während des Grand Prix ein Rennteam. Für 2012 habe es ebenfalls bereits gebucht. "Das kann ich alles gar nicht glauben", sagte sie. "Totale Enttäuschung - ich finde keine Worte", war die Aussage des Chefs vom Landhotel in Reichenbach, Frank Beierlein. Im Hohenstein-Ernstthaler Hotel "Drei Schwanen" will Chefin Peggy Rusitschka das Budget für 2012 neu planen. Das Aus werde sich auf große Teile des Mittelstandes negativ auswirken. "Ich glaube nicht, dass die Fans eine andere Weltmeisterschaftsstrecke einfach so akzeptieren", ist sie sich sicher. "Ziel sollte es sein, den Grand Prix im Jahr 2013 an den Sachsenring zurückzuholen", sagte Bernd Siller. Der Geschäftsführer von Ford Besico in Glauchau sieht dafür Chancen, auch wenn sie gering seien. "Die fest gefahrenen Strukturen am Sachsenring müssen geändert werden. Dafür sollte das Jahr Pause genutzt werden." Die für den Ticketverkauf am Sachsenring verantwortliche Firma etix.com aus Chemnitz vertritt die Meinung, dass es für die Region einfach traurig sei. "Die zuständigen Behörden haben den Zug verpasst, und ich weiß, dass viele Unternehmen einen Teil der Summe beigetragen hätten", sagte Geschäftsführer Karsten Richter.



09:35 Uhr
03ah308x: Wie kann ein ADAC so selbstherrlich sein ?
Wieso und wer bezahlt solche Mitarbeiter ?
Das Problem kannte man doch schon. Wieso erst jetzt und wieso verspricht man einen Grand Prix 2012 ?
Ich hoffe die Politik reagiert mal richtig und hilft der Region.Nachvollziehen kann dies hier keiner, solche Verantwortlichen brauchen wir alle nicht !!!!
20:03 Uhr
Frauflodder: Interessant für mich die Tatsache, dass sich gleich mehrere andere Deutsche Rennstrecken um die Nachfolge reißen. Wirds dort billiger oder wer finanziert das Ganze dort? Wie steht das Land Sachsen zum Geschehen, schließlich sind etliche Fördermillionen in den Sachsenring geflossen! Für den Mittelstand in HOT und Umgebung jedenfalls ein sehr schwerer Schlag!
08:56 Uhr
Grand: Vielleicht sollten ich meine Mitgliedschaft beim ADAC auch für ein Jahr überdenken! Es gibt ja noch andere Automobilclubs! Wenn dies viele andere Mitglieder ebenfalls tun werden, wird vielleicht eine Einigung zwichen Veranstalter und Rechteinhaber noch möglich werden. Wenn erst einmal ein wechsel durchgeführt wurde, wie warscheinlich ist dann eine Rückkehr zum alten?(egal ob Veranstalter oder Automobilclub)