Das Klischee, dass schnelle Autos und schöne Frauen zusammen gehören, bestätigte sich auch am Wochenende.
Foto: Andreas Kretschel
Hohenstein-Ernstthal: Sachsenring sorgt für Gänsehautgefühl
ADAC Masters macht Lust auf Motorrad Grand Prix - Neues Rennstrecken-Kontrollzentrum besteht Bewährungsprobe
Hohenstein-Ernstthal. 40 Boliden aus der Liga der Supertourenwagen - jeder ausgerüstet mit mindestens 500 Pferdestärken - standen an der Start-und Zielgeraden, der letzte fast auf Hermsdorfer Flur in der Queckenbergkurve. Viele Besucher, die auf dem Boxendach ihren Platz ergattert hatten, spendeten spontan Beifall für dieses großartige Bild. "Da bekommst du Gänsehaut, das ist eine Supersache", meinte beispielsweise Rolf Günther aus Grüna, der mit seiner Familie zum Sachsenring gekommen war. Lob sprachen wie er viele in diesen Tagen über den Sport, den Service und über die Veranstaltung aus.
Es bot sich an diesem Wochenende ein buntes Bild - nicht nur durch die vielen neuen Fahnen gegenüber von Start und Ziel, die in dieser Vielfalt das erste Mal nach 1996 zu bestaunen waren, sondern auch durch die 25.000 Zuschauer, die den Weg zum Sachsenring fanden. "Wir haben nicht nur den alten Turm neu gestaltet, uns ist es auch gelungen, die seit Jahren fällige Fahnengalerie zu errichten", sagte ADAC-Sportvorstand Klaus Klötzner.
Tagsüber gaben die Tribünen am Sachsenring den Blick auf die Rennen beim ADAC Masters Weekend frei, am Samstagabend kamen dann 500 Fußballfans zum Public Viewing und verfolgten das Europameisterschaftsspiel Deutschland-Portugal auf einer großen Leinwand. Stimmung war immer garantiert. Foto: Andreas Kretschel
Für dieses bunte Bild sorgten aber auch prominente Gäste. ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk lobte die Atmosphäre mit der schönen Zuschauerkulisse. DMSB-Präsidente Hans-Joachim Stuck freut sich nach eigener Auskunft über jeden Besuch in Sachsen. Und Fernsehstar Wolfgang Fiereck, bekannt als der "Bayer auf Rügen", sorgte für einen schönen Rahmen zur Siegerehrung. Seit vielen Jahren wieder einmal am Traditionskurs: Hans Werner Aufrecht, 1. Vorsitzender der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM).
So, wie das ADAC Masters Weekend eine gelungene Auftaktveranstaltung auf dem Sachsenring war und optimistisch auf den Motorrad Grand Prix in vier Wochen blicken lässt, so hat auch die neue Race Control, also das Rennstrecken-Kontrollzentrum, seine Bewährungsprobe bestanden. Mit großem Tempo und enormen Kraftaufwand entstand dafür am Traditionskurs auf dem Boxendach neben dem Siegerehrungspodium ein neues 180 Quadratmeter großes Funktionsgebäude. Der Umbau war notwendig, weil es im bisherigen Zentrum zu eng wurde und die Technik modernen Anforderungen nicht mehr standhielt.
Das neue Rennstrecken-Kontrollzentrum am Sachsenring hat seine Bewährungsprobe bestanden.
Foto: Andreas Kretschel
"Schließlich wurde das alles schon 2001 eingebaut, und nun ist einiges total überaltert, einfach verschlissen", sagte Rennleiter Bernd Riedel, der allerdings mit seinen 25 Mitstreitern bis in die Morgenstunden des Trainingsbeginns am Freitag seine Nervosität kaum verbergen konnte. "Natürlich hofft man, dass alles gut über die Bühne geht. Schließlich wollen wir unseren Gästen beste Bedingungen und den Piloten optimale Sicherheit bieten", sagte der stellvertretende Leiter der Streckensicherung, der Hohenstein-Ernstthaler Jochen Fichtner, vor Beginn der ADAC Masters. Und die ist gewährleistet, wie sich am Wochenende bestätigt hat: 40 Monitore und eine ausgefeilte Übertragungstechnik für Bild und Ton zu den Posten rund um den Kurs gehören zu den Grundvoraussetzungen für die neue Rennüberwachung. Ebenfalls ist gewährleistet, dass die Rennleitung im Bedarfsfall sofort Verbindung zu den Bergetechnikern, ins Fahrerlager, in die Boxengasse, zur medizinischen Abteilung rund um den Ring wie auch zur Rettungsstaffel des Deutschen Motorsport Bundes hat.
Diese jetzt vorhandenen guten Bedingungen erhielten Lob von allen Seiten. Ralf Fuß, Renndirektor aus Mayen, sagte zum Abschluss des Rennwochenendes: "Hier entstand eine hochmoderne Anlage, die auch den Anforderungen weiterer internationaler Meisterschaften genügen würde. Es macht Spaß, hier zu arbeiten." Gekostet hat die neuen Race Control fast 470.000 Euro. 75 Prozent der Kosten hat der Freistaat Sachsen übernommen, die restlichen 25 Prozent übernimmt der Zweckverband Sachsenring.
Erste Hilfe: Europaweites Projekt startet bei Masters
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und der Allgemeine Deutsche Automobil Club (ADAC) haben am Rande des ADAC Masters Weekends eine europaweite Umfrage zur Ersten Hilfe gestartet. In einer Studie sollen Ersthelfer-Kenntnisse von Autofahrern geprüft werden. 14 Länder beteiligen sich. In Deutschland werden jeweils 50 Führerscheininhaber an vier Standorten getestet - neben dem Sachsenring folgen Befragungen in einem Einkaufszentrum in Leinewalde-Worbis (Thüringen), in der Borkener Innenstadt (Nordrhein-Westfalen) und an der Autobahnraststätte Sindelfinger Wald (Baden-Württemberg).
Vier Einsatzkräfte des DRK haben die Befragung am Sachsenring durchgeführt. Zum Teil mussten auch praktische Aufgaben erledigt werden. Beispielsweise sollten die Teilnehmer nachweisen, ob sie eine Person in die stabile Seitenlage bringen können.
Der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Hohenstein-Ernstthal, Dietmar Fröhlich, war mit dem Ergebnis zufrieden. Vor allem beeindruckte ihn, dass die Bereitschaft, sich der Befragung zu stellen, groß war. Positiv ist laut Fröhlich, dass fast alle die Notfallrufnummern kennen. Allerdings sei das Erste-Hilfe-Wissen sehr unterschiedlich von hervorragend bis hin zu fast völliger Unkenntnis.
Fröhlich sagte, dass die Untersuchung Grundlage sein könnte, um der Politik Fakten zu geben, die zu einer gesetzlich festgeschriebenen Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse führen. Freiwillig könne aber schon jetzt jeder solche Wiederholungslehrgänge besuchen. Diese biete auch der hiesige DRK-Kreisverband an. (ja)

