Bergbau Andreas Illing, frisch gebackener Lehrling bei der Bergsicherung, an der unterirdischen Kreuzung. Nach 8 Metern geht es links und rechts ab.

Foto: Andreas Kretschel

Kumpel stoßen in Lichtenstein auf Untertage-Kreuzung

Loch in der Altstadt kommt nicht von ungefähr

Das Loch, das sich im Mai vor dem Haus Gottesackergasse 1 auftat, hatte einen Durchmesser von einem Meter. Die einsehbare Tiefe lag bei rund 1,50 Metern, sagt Martin Herrmann, Abteilungsleiter beim sächsischen Oberbergamt. Nach wochenlangen Arbeiten unter der Straße wissen die Bergleute nun, warum die Erde dort nachgab: In bis zu fünf Metern Tiefe stießen sie auf einen unbekannten Gang. Michael Kühn, zuständiger Bearbeiter im Oberbergamt, hat in Lichtensteins Unterwelt schon manchen unterirdischen Weg entdeckt. "Rotliegendes, ein paar 100 Millionen Jahre alt", sagt der Bergbauexperte anerkennend. Doch meist haben diese unterirdischen Hohlräume ihren Zugang innerhalb eines Gebäudes oder Kellers. Daher könne eine Gefährdung der angrenzenden Häuser nicht ausgeschlossen werden.

"Acht Meter lang ist der Gang zurzeit", sagt Tobias Steinert, Geschäftsführer der Bergsicherung Sachsen, die im Auftrag des Oberbergamtes die Untersuchungen und die Gefahrenabwehr übernimmt. Der Gang führt bergab in Richtung Hospitalgasse, wo 1440 das "Hospital zum Heiligen Kreuz" errichtet wurde. In dessen Nähe, nur eben viel tiefer, kreuzt er einen ebenso neuen Gang, von dem die Männer bislang auch schon jeweils zwei Meter freigelegt haben.

Die Anwohner werden noch weiter mit der halbseitigen Sperrung der Straße leben müssen. Die Arbeiten dauern an, ein schnelles Ende ist nicht in Sicht. Denn wenn das Gangsystem erkundet ist, muss es verwahrt werden. Im Umfeld dieses Lochs in der Straße gab es in der Vergangenheit bereits zahlreiche Tagesbrüche. Laut Oberbergamtsabteilungsleiter Herrmann veranlasste die Behörde zuletzt 2005 und 2006 Erkundungs- und Verwahrungsarbeiten. Wenige Meter nordöstlich liegt ein derartiger alter Gang, der schon verschlossen ist.

Bergbau Vor diesem Haus an der Gottesackergasse (im Foto Karl-Wilhelm Preißner, links, und Azubi Andreas Illing) gab die Erde nach.

Foto: Andreas Kretschel

Nach Expertenmeinungen dienten die Gänge hauptsächlich zur Lagerung von Bier und Lebensmitteln, zur Flucht, auch zur Wasserver- und Entsorgung.

Über die Tiefkeller oder Höhler in Lichtenstein, die durchschnittlich vier Meter tief liegen, ist kaum Buch geführt worden. Im Jahr 2009 wurde das Gangsystem vom Kirchplatz bis zur Ernst-Schneller-Straße mit 348 Metern beziffert. Die Gänge: etwa 80 Zentimeter breit, 1,80 Meter hoch. Im Frühsommer 2005 versuchte die Erde am Kirchplatz, einen Laster zu verschlucken. Ein Schwerlastdrehkran hievte ihn wieder auf die Straße. Das Loch zog umfangreiche Bergsicherungsarbeiten nach sich. Mehr als 20 Kubikmeter Beton flossen nach der Erkundung in die Unterwelt.

Um die Mohren-Apotheke, das mit ungefähr 400 Jahren älteste Haus im Stadtzentrum, ranken sich Gerüchte um einen unterirdischen Gang, der angeblich zum Schloss hin führen, allerdings verschüttet sein soll. Stille Post vielleicht? Immerhin war es mal ein Postgebäude. (mit hof und höb)

 
erschienen am 06.09.2012 ( Von Uta Pasler )
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