Auf dem Podium des Leserforums (von links): Jens Korch ("Freie Presse"), Albrecht Mugler und Kirsten Schubert-Fuchs von der Bürgerinitiative "Für eine gemeinsame Stadt" sowie Ulrich Hoppe und Ronald Wandel vom Bündnis Oberlungwitz sowie Mandy Fischer ("Freie Presse").
Foto: Markus Pfeifer
Leserforum: Städte-Ehe erhitzt Gemüter
Vor dem Bürgerentscheid saßen Gegner und Befürworter der Fusion von Oberlungwitz und Hohenstein-Ernstthal auf einem Podium - eingeladen von "Freie Presse"
Oberlungwitz. Rund 80 Gäste haben am Donnerstagabend die Möglichkeit genutzt, beim Leserforum der "Freien Presse" im Pressezentrum am Sachsenring noch einmal die Argumente von Gegnern und Befürwortern der gemeinsamen Stadt zu hören und Fragen zu stellen. Dabei drehte sich viel um den Namen der neuen Kommune. Normalerweise entscheidet man sich erst für die Heirat und danach für einen gemeinsamen Namen. Im Falle der Abstimmung am Sonntag sollen die Oberlungwitzer aber schon entscheiden, ob sie eine "Große Kreisstadt Sachsenring" haben wollen. Warum der Name in der Frage festgelegt wurde, wollten mehrere Leser der "Freien Presse" von den Vertretern der Bürgerinitiative "Für eine gemeinsame Stadt" wissen. Albrecht Mugler stellte klar: "Es geht nicht um eine Namensentscheidung. Mit einem ,Ja' erhält der Stadtrat den Auftrag, mit Hohenstein-Ernstthal zu verhandeln. Der Name muss dann noch einmal besprochen werden." Der Name habe jedoch den Vorteil, dass sich darunter auch später noch weitere Gemeinden hinzufinden könnten. Ulrich Hoppe vom Bündnis Oberlungwitz, das für die Selbstständigkeit eintritt, hielt dagegen: "Der Stadtrat erhält das Mandat, den Namen durchzusetzen." Wenn sich Hohenstein-Ernstthal gegen den Namen entscheiden sollte, dürfte Oberlungwitz erst drei Jahre später wieder eine Bürgerbefragung zum Thema veranlassen. Auch der Oberbürgermeister von Hohenstein-Ernstthal, Erich Homilius (parteilos), meldete sich zu Wort: "Wer für eine gemeinsame Stadt ist, soll mit ,Ja' stimmen. Details wie der Name sind dann Verhandlungssache."
Eine praktische Frage hatte der Oberlungwitzer Siegfried Werner: Ein neuer Stadtname bedeute eine neue Anschrift. "Wer zahlt die Kosten für neue Ausweise?" Mugler: "Ein Gang aufs Amt ist nicht nötig." Die Übergangsfristen seien lang genug, sodass Dokumente ihre Gültigkeit behalten, bis sie sowieso ablaufen. Auch Straßenumbenennungen würden nicht drohen.
Auch über Geld wurde viel diskutiert. Wird das Leben in Oberlungwitz bei einer Fusion teurer oder billiger? Die Vertreter des Bündnis für Oberlungwitz gehen von einer Erhöhung der Grundsteuer aus, die sich dann auf die Betriebskosten auswirken würde. Zudem kämen Grunderwerbssteuern von 350.000 Euro auf die neue Stadt zu. Die Gegenseite rechnete jedoch vor, dass Steuersenkungen möglich wären.


