Helmut Tobies (links) und Ronny Vogel leeren der Wahlurne im Wahllokal in der Pestalozzischule.
Foto: Markus Pfeifer
Sachsenring-Stadt fällt bei Wählern durch
Oberlungwitzer wollen mit Hohenstein-Ernstthal keine gemeinsame Stadt bilden
Oberlungwitz. Die Bürgerinitiative "Für eine gemeinsame Stadt" ist gescheitert. Das war am Sonntagabend, wenige Minuten nach 21 Uhr amtlich. Rund 30 Anwesende verfolgten die Bekanntgabe der Ergebnisse des Bürgerentscheids im Rathaus. 63 Prozent der Wahlberechtigten 5335 Oberlungwitzer haben ihre Stimme abgegeben. 1530 von ihnen stimmten für die Städte-Ehe, 1871 dagegen. Das ergibt ein Verhältnis von 45 Prozent Befürwortern zu 55 Prozent Gegnern. Beide Seiten trugen das Resultat mit Fassung: Weder Tränen auf der einen, noch Freudentänze auf der anderen Seite.
"Wir können den Sieg noch gar nicht realisieren", sagte Ulrich Hoppe, Sprecher von Bündnis Oberlungwitz, direkt nach Bekanntgabe des Ergebnisses. In erster Linie wollte er sich bei den Wählern bedanken, die so zahlreich abgestimmt hatten. "Die Oberlungwitzer haben sich von Fakten leiten lassen und nicht von Versprechungen", führte er aus. Der Entscheid sei Beweis dafür, dass die Bürger hinter der Politik des Stadt- rates stehen. Jetzt werde man darauf hinarbeiten, so gut wie bisher, "aber möglichst noch näher", mit Hohenstein-Ernstthal zusammen zu arbeiten. Über Projekte wie eine gemeinsame Buslinie oder Radwege lasse sich jetzt vielleicht sogar besser verhandeln, "als wenn wir der kleinere Partner wären", sagte Hoppe.
Für Kirsten Schubert-Fuchs, Mitglied der Bürgerinitiative "Für eine gemeinsame Stadt", ist das Ergebnis ein Zeichen dafür, dass die Oberlungwitzer Angst vor Veränderungen haben. "Zudem zeigt es mangelndes Selbstvertrauen gegenüber Hohenstein-Ernstthal", sagte sie. Danach befragt, ob das Scheitern mit dem Namen der gemeinsamen Stadt zu tun habe, erklärte sie: "Wenn wir diesen Namen nicht mit in die Frage des Bürgerentscheids genommen hätten, wäre uns unterstellt worden, dass die gemeinsame Stadt Hohenstein-Ernstthal heißen wird." Einschneidende Veränderungen auf demografischer und finanzieller Ebene werden auf die Stadt zukommen, sagte sie. "Die Mitglieder der Bürgerinitiative sind jetzt sehr gespannt, wie die Stadträte die Zukunft von Oberlungwitz lenken. Das werden wir kritisch beobachten."
Besonders enttäuscht zeigte sich Erich Homilius (parteilos), Oberbürgermeister von Hohenstein-Ernstthal. "Das Ergebnis tut mir weh", sagte er. Den Grund für das Scheitern sieht er in der Verknüpfung der Frage über die Städte-Ehe mit der über den Namen der neuen Kommune. Das sei ein taktischer Fehler gewesen. "Ich bin überzeugt, dass es ohne diese Verknüpfung gelungen wäre." Jedoch solle der Entscheid nun nicht die beiden Städte davon abhalten, weiter gut oder noch besser zusammen zu arbeiten.
Als einen Sieg der Demokratie bezeichnete der Bürgermeister von Oberlungwitz, Steffen Schubert (parteilos) das Abstimmungsergebnis, da eine Wahlbeteiligung von knapp 64 Prozent sehr viel sei. "Die Oberlungwitzer sind ihrer Verantwortung gerecht geworden." Als Befürworter der Städte-Ehe sei es zwar "schmerzlich und enttäuschend" für ihn, aber so funktioniere Demokratie. Dass es nicht geklappt hat, liege "möglicherweise am Namen."


