Außen cool, innen heiß: Im dicken Eisbärfell konnte die Kälte den jungen Damen nichts anhaben.
Foto: Andreas Wohland
Narren zeigen Frost die kalte Schulter
Tausend Zuschauer beim 19. Meeraner Straßenfasching
Meerane. Was schert einen wahren Narren schon winterliche Kälte, wenn in Meerane Straßenfasching angesagt ist. Während in anderen Straßen Totenstille herrschte, drängten sich entlang der Strecke des närrischen Umzuges die Menschenmassen. Viele von ihnen kostümiert, andere zumindest mit einer zusätzlich wärmenden Perücke auf dem Kopf.
Nicole Stolper hatte nicht nur sich, sondern auch ihre beiden kleinen Töchter Vanessa-Chantal und Vivienne-Charleen angeputzt und dick eingemummelt. "Beim Straßenfasching mit dabei zu sein, ist für uns einfach selbstverständlich", sagte die Meeranerin. Zuschauer, speziell aber die rund 500 Aktiven trotzten der Kälte auf unterschiedliche Weise. Etliche, die den Umzug, der sich gut zweieinhalb Stunden von der Steilen Wand bis zum Markt durch die Innenstadt schlängelte, am Straßenrand verfolgten, hatten sich nicht nur warm angezogen, sondern oftmals auch noch warme Getränke mit dabei. So auch Peter Körner aus Zwickau. "Wir zehren von zwei Thermoskannen Glühwein und einer Kanne mit Kaffee. Das dürfte reichen." Georg Ullrich, der als DJ die faschingstollen Besucher auf dem Teichplatz unterhielt, setzte unter anderem auf dicke Holzschuhe. "Das ist ein Erfahrungswert - die Fußsohlen sollten möglichst weit weg vom kalten Erdboden sein", sagte er.
Wer im Zug auf einem der Wagen mitfuhr, hatte mitunter das Glück, dass sich dort ein kleiner Heizkörper befand. Alle anderen mussten sich entweder mit dicker Bekleidung, warmen Gedanken oder einem gelegentlichen "Glüh-Schnäpschen" begnügen. "Ich ziehe besonders vor den Tanzmädchen und den Musikern den Hut, die trotz der niedrigen Temperaturen fantastisch mitgezogen haben", sagte Rainer Jänsch, Vorsitzender der Pflasterköppe, bei denen die Fäden des Straßenfaschings zusammenliefen. Hochstimmung herrschte auch unter den Zuschauern. Selbst wenn der eine oder andere noch mehrere Tage lang Konfetti in seinen Sachen finden dürfte. "Das gehört nun mal dazu. Mir tun nur die armen Schweine leid, die die Straße wieder säubern müssen", sagte Mirko Borwinski, der mit einigen seiner Kegelbrüder aus Gera nach Meerane gekommen war. Er wusste sogar, weshalb im Umzug gleich mehrfach auf das Thema Zirkus und Elefanten angespielt wurde. "Ich hatte in der Zeitung einiges über den Zirkus Afrika gelesen."
Für einige Meeraner bedeutet Straßenfasching immer auch, ihre Häuser zu schmücken. Besonders viel Aufwand damit hatte Katrin Krüger betrieben. Trauben mit insgesamt 300 Luftballons zierten die Fassade. "Wir machen das schon mehrere Jahre und verfeinern immer wieder unsere Technik. Dank einer Aufblasmaschine und Ballonschnellverschlüssen haben wir diesmal nur zwei Stunden benötigt", sagte sie.
Am Ende zog Pflasterköppe-Chef Rainer Jänsch eine erfreuliche Bilanz. "Wir haben die Kälte mit guter Laune bezwungen, es ist nichts passiert, und die Reaktionen der Leute waren durchweg positiv." Dabei tat es der Sache auch keinen Abbruch, dass der Nachumzugstrubel auf dem Markt diesmal kältebedingt nicht ganz so lange andauerte.


