Verkündeten am Donnerstagvormittag auf einer Pressekonferenz ihre Stadion-Neubaupläne: Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Linke), Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) und Baubürgermeister Rainer Dietrich (CDU, von links).
Foto: Ralph Köhler
Stadion in Zwickau: Meyer garantiert Kostenbremse
Großvermieter baut und wird Eigentümer - Betreiber-Konzept rechnet mit 4000 Fans pro Spiel
Die Rathausspitze hat Donnerstagvormittag die Eckpunkte des Konzeptes für den geplanten Neubau eines Fußballstadions in Eckersbach vorgestellt. Am Nachmittag sollte der Stadtrat auf Initiative der CDU über den Zwickauer Fußball und den Stadionbau diskutieren. Doch die Mehrheit der Stadträte verweigerte sich der Debatte. Die "Freie Presse" beantwortet die wichtigsten Fragen zum Stadionkonzept.
Was passiert, wenn das Stadion teurer wird als die angekündigten 18 Millionen Euro?
"Wenn sich abzeichnet, dass es teurer wird, bauen wir das Stadion nicht." Das sagt Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Linke). Er sagt nicht, bis zu welcher Projektphase diese Notbremse funktioniert.
Das Stadion baut die städtische Gebäude- und Grundstücksgesellschaft (GGZ). Diese Konstellation hat die Landesdirektion kürzlich in Chemnitz abgelehnt. Was macht Zwickau anders?
Im Gegensatz zu Chemnitz, wo die städtische Wohnungsgesellschaft nur der Bauherr sein sollte, wird die GGZ in Zwickau nicht nur das Stadion bauen, sondern sie wird auch Eigentümerin des Stadions und aller Bauflächen in Eckersbach.
Wie setzt sich die 18-Millionen- Euro-Bausumme zusammen?
Die Stadt zahlt während der Bauphase 2014 und 2015 insgesamt 8 Millionen Euro in die Kapitalrücklage der GGZ. Der Großvermieter stellt 4Millionen Euro Eigenkapital zur Verfügung und nimmt 6 Millionen Euro Kredit auf, für den die Stadt wahrscheinlich bürgen muss.
Wer betreibt das neue Fußballstadion?
Dafür wird eine neue Betriebsgesellschaft gegründet. Die Mehrheit daran hat die Stadt. Weiterhin beteiligt sind die GGZ sowie die mit dem Bau beauftragte Firma. Diese Forderung soll Bestandteil der europaweiten Ausschreibung des Auftrages sein.
Welche Kosten entstehen der Stadt für den Stadionbetrieb?
Erste Berechnungen gehen von einem jährlichen Zuschuss in Höhe von maximal 600.000 Euro an die Betriebsgesellschaft aus. Voraussetzung ist allerdings, dass die Gesellschaft zum Beispiel Einnahmen aus der Vermarktung der Namensrechte für das Stadion (jährlich 150.000 Euro) erreicht und dass der FSV die anvisierte Jahresmiete für das Stadion (252.000 Euro) leisten kann.
Gibt es schon Interessenten für die Namensrechte?
Es sind Gespräche geführt worden, sagt Bürgermeister Bernd Meyer, aber es ist derzeit kein konkreter Interessent in Aussicht.
Wie soll der FSV die jährliche Miete aufbringen?
Mittels der Vermarktung der Werbeflächen, den Verkauf von VIP-Plätzen, Werbung auf der Videowand oder Einnahmen durch die Bewirtung. Vor allem aber durch Zuschauereinnahmen. Die Kalkulation geht in der Regionalliga von durchschnittlich mindestens 4000 Zuschauern pro Spiel aus. Das neue Stadion soll hier zusätzliche Anziehungskraft bieten. Zum Vergleich: Das erste Regionalliga-Heimspiel gegen Union Berlin sahen am 2. September im Sportforum Sojus 2045 Zuschauer. Der Zuschauerschnitt in der vergangenen, sportlich erfolgreichen Saison lag bei zirka 1500. (mbe)


14:09 Uhr
Buerger: Es ist einfach ein Grauen wie wieder Winkelzüge erarbeitet werden um wieder mal was zu verschleiern. Wieso spielt man nicht mit offenen Karten und brauch wieder einen Strohmann. Nur weil beim FSV gemauschelt wird muss es nicht noch in der Verwaltung geschehen. Hier sind öffentliche Mittel im Spiel die in halbprivate umgebaut werden sollen. Warum?
Bürgermeister R. Dietrich am 02.11.2009 bei der Einwohnerversammlung im Stadion zu den anwesenden Bürgern:
Die Frage, ob ein Konzept der Betriebswirtschaftlichen Kosten- / Nutzen- Rechnung und die Finanzierbarkeit der laufenden Betriebskosten des Stadions besteht oder geprüft wurde, wurde verneint. Herr Dietrich gab aufgebracht zur Antwort, dass man eine Vision hat und dies auch Mut zur Vision verlangt. Auf die Frage nach der unsicheren Bespielung des FSV mit einer Auslastung von 5-30 % der Stadionkapazität in der 5. Liga, wer denn dann die laufenden Kosten trage, erfolgte in scharfer Tonlage die Antwort: ? Na Sie nicht?.
So wird mit unseren Geldern umgegangen.
Die Verwaltung hat mit viel Geld und Größenwahn eine Trationsspielstätte aufgelöst.
17:46 Uhr
fp2012: Wenn es sich abzeichnet, dass der Bau teurer wird als 18Mio...
Da tut mir ja schon wieder der Bauch weh vom Lachen.
Ein Bau der öffentlichen Hand...Was meinen die Herren denn, wann sich das abzeichnen wird, und es wird sich abzeichnen. Wir werden uns wiederreden.
Der Bau wird (wie bei Bauten der öffentlichen Hand) wie immer das Doppelte kosten. Und es wird sich zeigen, wenn es kein zurück mehr gibt. Dann wird der Bau natürlich nicht gestoppt, es wird weitergebaut. Bis die 36 Mio. alle sind.
Und keiner wird verantwortlich sein. Wie immer. Der Krebsschaden ist wie immer, dass Leute über Geld entscheiden, das ihnen nicht gehoert und für dessen Verschleuderung sie nicht in Regress genommen werden. Unsere Kinder werdens schon zahlen.
Griechenland ist doch überall.
00:00 Uhr
gublec: Stadionneubau?
Ich werde immer nachdenklicher, wenn ich Zahlen des sogenannten demographischen Wandels höre, wobei die Zahl der nach 1990 geborenen Kinder hierzulande auf etwa die Hälfte zurückgegangen sein soll.
Auch der Artikel in FP v. 21.09.12 über die sinkenden Studentenzahlen in Zwickau steht sicher im Zusammenhang damit.
Und wenn man da die großen "Vorhaben" in Zwickau sieht, wie z.B. das Sportbad und die Bibliothek im Kornhaus, so muss man außer der Euphorie auch die Frage betrachten, stellt man sich in Zwickau tatsächlich auf die reale Sachlage ein?
Und nun zum Fußball: Wird es in Zukunft bei halbierter Bevölkerungszahl noch genügend Nachwuchs geben, werden die wenigeren Interessierten bei zunehmenden Zeitarbeits- und Pendlerarbeitsverhältnissen noch Zeit zum regelmäßigen Training haben, ganz zu schweigen von der auch geringer werden Zuschauermenge?
Ja, fast vergessen, auch die sicher stetig höher werdenden Betriebskosten für das neue Stadion müssen künftig von einer geringeren Einwohnerzahl aufgebracht werden.
Haben sich die verantwortlichen Stadionbefürworter, gemeint sind hier vor allem unsere Damen und Herren Stadträte, darüber schon Gedanken gemacht?
Also ich denke schon, es lohnt sich, darüber nochmal nachzudenken, ob das alte Stadion doch noch nach überarbeiteter Konzeption ausreichend gestaltbar ist.
12:13 Uhr
Luzifer: Planen ist das ersetzen des Zufall durch den Irrtum!
...also die Rechnung geht nur auf wenn.... 250 TEUR Miete (hoffen wir der Verein kann das leisten... achja und die Namensrechte für 150 TEUR jährlich. Bin ja mal gespannt ob das Stadion dann jedes Jahr anders heisst oder gibt es soviel Großunternehmen in der Region?
09:35 Uhr
bmeyer: Das muss der Stadtrat ablehnen. Ein Verein, der 250k Miete zahlen kann, bekommt ein 18 Mio. Stadion? Wenn ich teuer rechne, dann ist eine Immobilie 15 Jahreskaltmieten wert: 3,7 Mio. Das wäre das Sojus mit etwas neuer Farbe. Mehr darf es nicht geben.