Tobias Bär, Elfi Rank, Frank Rose und Ingrid Fischer (v. l.) stellen sich am Dienstagabend den Langenbernsdorfer Wählern. :
Foto: Thomas Michel
Bürger fühlen Bewerbern auf den Zahn
Vier Bürgermeisterkandidaten und ein voll besetzter Saal: Die Anwärter auf den Chefposten in der Gemeinde mussten viele Fragen beantworten
Langenbernsdorf. Es gibt eine Menge Probleme, die den rund 3800 Einwohnern von Langenbernsdorf unter den Nägeln brennen. Das haben die vier Bewerber für das Amt des Gemeindeoberhauptes zum Bürgerforum am Dienstagabend in der Gaststätte "Weißes Roß" deutlich zu spüren bekommen. Die 215 Stühle, mit denen der Saal bestückt war, reichten bei Weitem nicht aus, um allen Interessierten einen Platz zu bieten. Dabei richteten die Bürger ihre Fragen oftmals nicht nur an einen der Bürgermeisterkandidaten, sondern an alle vier Bewerber.
Gerd Schittko wollte wissen, wie der künftige Amtsinhaber das gestörte Verhältnis zur Kirche im Ort verbessern will. Dass es diesbezüglich Probleme geben würde, dementierte Elfi Rank (parteilos). Sie sprach von einem guten Verhältnis, wofür schon die Trägerschaft des evangelischen Schulvereins für den Schulhort spreche. Kandidat Tobias Bär (CDU), selbst Mitglied der Landeskirche, sah kein Problem in der Zusammenarbeit, betonte aber zugleich, ein Bürgermeister für alle Bürger sein zu wollen. Ingrid Fischer (Freie Wähler) schloss sich der Meinung von Elfi Rank an, und auch Frank Rose (parteilos) konnte die Auffassung nicht teilen. Eine Bürgerin plädierte für kostenlose Schülerbeförderung und kostenfreies Mittagessen. Ein Wunsch, für den die Bewerber durchaus Verständnis zeigten, der jedoch aus finanziellen Gründen nicht möglich sei.
Auf welche kommunalpolitischen Erfahrungen Tobias Bär verweisen könne, außer auf seine Mitgliedschaft seit 2009 im Gemeinderat, wollte ein Einwohner wissen. Die kurze Antwort: auf keine weiteren. Seinen Standpunkt zum Bau eines Windrades am Glasberg und zur geplanten Errichtung eines Windparkes im benachbarten Chursdorf wollte Jörg Lechner von Frank Rose wissen. "Ich bin für Windenergie, weil sie Zukunftschancen hat. Was den Standort neuer Windräder betrifft, kann das aber nur in Gemeinsamkeit mit den Landeigentümern entschieden werden", sagte Rose und fügte hinzu, dass der geplante Windpark in Chursdorf nicht mehr im Regionalplan Ostthüringen stehe und damit vom Tisch sei.
Torsten Müller, Vorsitzender der SG Trünzig, wollte von den Bewerbern wissen, wie ihre Pläne für einen neuen Sportplatz aussehen. Während Rank und Fischer einen Neubau auf einem Grundstück hinter dem neu geschaffenen Dorfplatz in Trünzig favorisierten, plädierte Bär für einen Ausbau des vorhandenen Platzes neben der Grundschule in Langenbernsdorf. Rose sagte, bevor Entscheidungen getroffen werden, müssten noch Grundstücksfragen geklärt werden. Auch er favorisierte Trünzig als Standort.
Florian Funke vom Jugendklub Langenbernsdorf wünschte sich vom neuen Bürgermeister und dem Gemeinderat eine größere Unterstützung bei der Jugendarbeit. Bernd Gerstner, Gemeinderat mit Mandat des Regionalbauernverbandes, sprach von einem gestörten Verhältnis zwischen Rat und der Amtsinhaberin Elfi Rank. Die bot eine faire Zusammenarbeit an. Sie schlug die Gründung von Bürgerarbeitsgruppen vor, damit bei künftigen Vorhaben nicht über die Köpfe der Einwohner hinweg entschieden werde.
Weitere Themen waren der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Langenbernsdorf und die Erweiterung des Hortes. "Wie wirkt sich das auf uns Bürger aus", wollte eine Einwohnerin wissen. Sowohl Tobias Bär als auch Ingrid Fischer betonten, dass es wegen dieser Investitionen keine Steuererhöhungen für die Bürger geben werde.
Gottfried Wolf, Vorstandsvorsitzender der Koberland eG, wollte wissen, wie die Kandidaten zum Umgang mit landwirtschaftlichen Nutzflächen stehen. Die Landwirtschaft gehöre zum Dorf, sagte Elfi Rank, die aber für eine biologische Landwirtschaft plädierte. "Die Landwirte sollten auch mehr Grün im Ort anlegen." Ingrid Fischer ist für den Erhalt der Landwirtschaft, die ja auch Gewerbesteuern bringe. Doch die Bauern müssten Kompromisse beim Tausch von Grundstücken eingehen. Frank Rose befürwortet eine "bunte, nachhaltige Landwirtschaft in verschiedenen Betriebsformen" und Tobias Bär gab zu bedenken, dass die Landwirtschaft auch viele Arbeitsplätze schaffe.


