Karl Heinz Schnabel aus Gößnitz hat zur Weihnachtsausstellung im Stadt- und Dampfmaschinenmuseum seinen Rummelplatz aufgebaut.
Foto: Thomas Michel
Im Museum startet Fahrt ins Blaue
Mit einem Hutzenabend wurde am Samstag in Werdau die Weihnachtsausstellung eröffnet
Werdau. Bis wenige Minuten vor Eröffnung der Weihnachtsausstellung am Vorabend des 1. Advent war Karl Heinz Schnabel mit dem Aufbau seines Rummelplatzes im Museum beschäftigt. "Ich will noch einmal die Technik prüfen, damit auch alles funktioniert", sagte der 81-Jährige. Währenddessen lockte der Jahrmarkt bereits die ersten Interessenten an. Bevor der Senior deren Fragen beantworten konnte, übernahm er noch eine zusätzliche Aufgabe: Der Gößnitzer stimmte mit seinem Leierkasten kurz nach 16 Uhr die über 100 Besucher der Vernissage auf die Veranstaltung ein.
Der Rummelplatz ist eine der Attraktionen der diesjährigen Weihnachtsausstellung im Werdauer Museum. 20 Jahre hatte Karl Heinz Schnabel an der Verwirklichung des Vorhabens gearbeitet. "Ich bin nach der Wende mit 60 Jahren in den Vorruhestand geschickt worden und hatte auf einmal eine Menge Zeit", sagt der Senior. Zeit, um seinen Kindheitstraum zu erfüllen: einen eigenen Jahrmarkt zu bauen. Dabei interessierten ihn weniger der Blick aus dem Riesenrad über die Dächer seiner Heimatstadt oder die Fahrt im Kettenkarussell, sondern viel mehr die Technik. "Ich wollte als Jugendlicher wissen, wie das alles funktionierte", sagt Karl Heinz Schnabel. Mit einem Zollstock und Notizblock bummelte er als 18-Jähriger über den Jahrmarkt in seiner Heimatstadt, begann zu messen und sich Skizzen zu machen. Sein erstes Fahrgeschäft, das er nachbaute war ein Riesenrad.
1990 holte der Senior seine alten Pläne wieder aus der Schublade. "Ich war zwar älter geworden, doch größtenteils sehen die Karussells noch so aus wie in meiner Jugend", sagt der 81-Jährige. Er zog sich in seine Hobbywerkstatt zurück und begann zu sägen, hämmern, schrauben und malen. Nach und nach kamen zu dem Riesenrad noch eine Berg- und Talfahrt, eine Luftschaukel und verschiedene Buden hinzu: alles im Maßstab 1:15. "Die Fahrgeschäfte lassen sich genauso wie die Originale auseinanderbauen und in Transportwagen verstauen", erklärt der Bauherr. Und so wie auf einem richtigen Rummelplatz, gehen nach Einbruch der Dunkelheit unzählige kleine Lampen an - im Museum geschieht das per Knopfdruck. "Das habe ich so noch nicht gesehen", lautete das Urteil von Barbara Kleiber (58). Deren Mann Günther (60) ergänzte: "Da werden Kindheitserinnerungen wach."


