Das Häuschen an der Katzendorfer Straße ist nicht mehr zu retten. Die Familie konnte absolut nichts bergen.
Foto: Thomas Michel
Nachbarin nimmt Brandopfer bei sich auf
Feuer zerstörte Zuhause von Friedemann Berth
Trünzig. Friedemann Berth merkt man die Aufregung der zurückliegenden 48 Stunden nicht an. Ruhig, fast gelassen sitzt er bei Rosemarie Lucas in der guten Stube auf dem Sofa. Am Mittwochnachmittag ging sein fast 200 Jahre altes Häuschen in der Katzendorfer Straße in Flammen auf. Nichts ist dort mehr zu retten, sagte am Donnerstag seine Tochter Ulrike Gruden, die mit ihrem Ehemann Bernd am Tag zuvor aus Berlin gekommen war, um den Vater, wie jedes Jahr, über die Feiertage zu sich zu holen.
Seit vielen Jahren bekannt
"Wir sind knöcheltief im Lehm gewatet, um wenigstens noch ein paar persönliche Sachen retten zu können", beschreibt die 59-Jährige, die seit mehr als 40 Jahren im Prenzlauer Berg zuhause ist. Dort wird auch Friedemann Berth erst einmal bleiben, bis sich alles ein bisschen beruhigt hat. "Mal sehen, was dann weiter wird", sagt der 89-Jährige, der 30 Jahre als stellvertretender Leiter der Schulsternwarte in Rodewisch gearbeitet hat. "Einen alten Baum verpflanzt man ja eigentlich nicht, aber wenn er keinen Boden mehr hat..."
Der rettende Engel in der Not für die Brandopfer war Rosemarie Lucas. Die Nachbarin kennt Berth seit vielen Jahren und schaut auch immer mal nach dem Rechten. "Viel helfen musste ich ihm allerdings nie, er macht ja alles noch allein", sagt die 62-Jährige, die die Drei kurzerhand in zwei Zimmern im ersten Stock ihres Hauses einquartiert hat. Verpflegung natürlich inklusive. "So etwas ist ganz und gar nicht selbstverständlich", freut sich Bernd Gruden über die große Hilfsbereitschaft der Trünzigerin, die darum aber nicht viel Aufhebens machen möchte. "Das ist doch normal, dass man sich hilft, noch dazu in solch einer schwierigen Situation."
Flammen greifen um sich
Das Ehepaar war am Mittwochmittag beim Vater eingetroffen. Gegen 15 Uhr kam dann ein Bekannter vorbei, um das Vordach zu reparieren. Bei diesen Schweißarbeiten brach plötzlich das Feuer aus. "Die Flammen schlugen sofort nach innen", sagt der Schwiegersohn. Alles Hab und Gut, auch das Reisegepäck der Grudens, sind ein Opfer der Flammen geworden. "Wir hatten nicht mal mehr eine Zahnbürste, die hat uns Frau Lucas zur Verfügung gestellt", so Ulrike Gruden, die nun mit der Versicherung und den Behörden alles regeln muss.
Mehr als 40 Mitglieder der Feuerwehren von Trünzig, Wilkau-Haßlau und Werdau versuchten zu retten, was zu retten war. Umsonst, bedauert Einsatzleiter Hubert Götz. Das Häuschen ist nicht mehr bewohnbar. Die Höhe des Sachschadens ließ sich noch nicht beziffern. Die Ermittlungen der Polizei laufen.


