Corina Riehle und Thomas Garbatz (vorn) hatten Freunde aus dem Vogtland eingeladen, um beim Werdauer Oktoberfest gemeinsam anzustoßen und zu feiern.
Foto: Andreas Wohland
Werdauer zeigen München kalte Schulter
300 Gäste feiern Oktoberfest in der Pleißentalhalle
München ist schön und sein Oktoberfest Kult. Aber das Ganze hat seinen Preis. Hinzu kommen An- und Abreise, Unterkunft und jede Menge Trittbrettfahrer, die kräftig die Hand aufhalten. Um all das zu umgehen, liegt es nahe, selbst ein wenig Oktoberfestflair zu zaubern. "Vergangenes Jahr haben wir die Veranstaltung mehr oder weniger ins Blaue geplant, wollten sehen, wie so etwas hier in Werdau angenommen wird. Der Erfolg hatte uns ermutigt, für dieses Jahr erneut eine Fete auf die Beine zu stellen", sagte Cheforganisator Klaus-Peter Hampel, der als Frontmann des Werdauer Faschingsclubs über entsprechende Erfahrungen verfügt. Verstecken brauchten sich die Werdauer mit ihrer Version des Oktoberfestes nicht.
Preise
Eine Maß Bier gab's für 5,99 Euro. Das war deutlich weniger, als das, was Gäste in einem Wiesn-Zelt dafür blechen müssen. Und ob man sie nun sächsisch Brezel oder bayerisch Brezn nennt: Auf dem Münchner Oktoberfest gibt es sie ab 4,20 Euro, in Werdau wechselte sie für 1,50 Euro das Stück ihre Besitzer. Auf das traditionelle Wiesn-Hendl mussten die Besucher der Pleißentalhalle allerdings verzichten. Sicherlich verschmerzbar, denn so entfiel nach dem Schmaus auch das nervige Abwischen der fettigen und klebrigen Finger. Dafür gab's Speckfettbemme, Wiener Würstchen und Gewürzgurken. Und für die richtige Stimmung sorgten die Prinzenberger, die ihrem Publikum mit zünftiger Musik ordentlich einheizten. Natürlich nicht, ohne die Leute mit den gängigen Bierzelt-Gassenhauern - genau wie in München - von den Sitzen zu reißen.
Verständigung
Die Besucher hatten keine Probleme bei der Verständigung, weil die Sachsen unter sich waren. Beispiel: Statt dem bajuwarischen "Hawedere" - was schon ein wenig bierlaunisch klingt, übersetzt aber nur bedeutet "Ich habe die Ehre" - reichte in Werdau ein einfaches Hallo zur Begrüßung.
Fassbier-Anstich
In einer Beziehung aber haben die Bayern nach wie vor die Nase vorn. Während Münchens Oberbürgermeister für den Fassbieranstich in diesem Jahr nur zwei Schläge benötigte, tat sich Werdaus Promi-Anzapfer Alexander Szelig damit schwer. "An der Kraft lag es definitiv nicht, wohl eher an der Erfahrung. Da ich passionierter Weintrinker bin, hätte es mit Korkenziehen bestimmt besser geklappt", sagte der einstige Bobfahrer.


