Wohlfahrtsverband bringt Großvermieter in Bredouille

Volkssolidarität beriet, wie sie mit ehemaligem Sitz der Geschäftsführung verfahren will

Werdau/Fraureuth. Der Kreisverband der Volkssolidarität Zwickauer Land hält an seinen Plänen fest: Die 150 Jahre alte Villa an der Unteren Holzstraße, die im Vorjahr durch ein Feuer arg in Mitleidenschaft gezogen wurde, wird komplett saniert. Darauf hat sich der Vorstand vergangene Woche geeinigt. "Das Erdgeschoss und die erste Etage werden künftig für gewerbliche Zwecke genutzt", sagte der Vorstandsvorsitzende Hans-Ullrich Martin. Keine Entscheidung erzielte das Gremium, wie mit dem Dachgeschoss der Villa verfahren werden soll. "Es gibt Überlegungen, den Bereich künftig für Wohnzwecke zu nutzen", sagte Martin. Dazu wäre aber eine Umnutzung des Gebäudes notwendig. Diese müsse bei der Stadt erst beantragt werden.

"Das Haus gehört der Kommune, wir sind der Nutzer. Mit der Kommune wurde ein Erbpachtvertrag mit einer Dauer von 66 Jahren abgeschlossen", erklärt der Vorstandsvorsitzende. Ob der Kreisverband selbst wieder in das Gebäude einzieht, ist noch offen. Nach den Worten des Vorstandschefs sei eine Rückkehr der Geschäftsstelle sowie der Sozialstation in die Villa denkbar. "Eine Entscheidung fällt noch im ersten Quartal, sodass im April die Sanierung der Villa nach den Bedürfnissen der künftigen Nutzer beginnen kann", sagt Martin.

Für die Wohnungsbaugenossenschaft Fraureuth (WGF) kommt die Entscheidung möglicherweise zu spät. Der Großvermieter will im März an der Werdauer Straße in Fraureuth mit dem Bau eines Mehrgenerationenhauses beginnen, in das sich die Volkssolidarität einmieten und dort ihre Dienstleistungen anbieten möchte - das war der Stand bis Ende 2011. Auch wenn noch keine Absage seitens der Volkssolidarität vorliegt, bringen die neuen Pläne des künftigen Hauptmieters die WGF in die Bredouille. "Ich wurde davon erst vergangene Woche informiert", sagt die Vorstandschefin der Wohnungsbaugenossenschaft, Renate Künzel. Mehr als ein Jahr hätten die Volkssolidarität und der Großvermieter gemeinsam an dem Projekt gearbeitet. "Dazu gibt es schriftliche Unterlagen mit dem ehemaligen Geschäftsführer des Wohlfahrtsverbandes", sagt Künzel. Er, so Martin, habe die Vereinbarungen, die der seit Anfang des Jahres beurlaubte Geschäftsführer traf, erstmals am 5. Januar gesehen und daraufhin den Kontakt zum Vorstand der WGF gesucht. "Aus wirtschaftlichen Interessen müssen wir alle Möglichkeiten prüfen und dann eine Entscheidung treffen, die allen Beteiligten gerecht wird", sagt Martin. Dazu ist in dieser Woche eine gemeinsame Vorstandssitzung des Kreisverbandes der Volkssolidarität und der WGF geplant. Unabhängig von deren Ausgang hält Renate Künzel am Mehrgenerationenhaus fest. "Der Baubeginn ist für März geplant und wird zu dem Zeitpunkt auch erfolgen", sagt die Chefin.

 
erschienen am 15.01.2012 ( Von Uwe Mühlhausen )
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