Wilkau-Hasslau: TV-Signale kommen künftig von anderswo
Antennengemeinschaft hört nach drei Jahrzehnten auf
Bis Ende Juni betreibt die Antennengemeinschaft ihre Anlage noch, danach übernehmen andere. So sagt es Rolf Benkert, der als Sprecher der Gemeinschaft auftritt. Er war mit dabei, als vor fast 30 Jahren eine Gruppe Freiwilliger loslegte und den als "Tal der Ahnungslosen" bekannten Sandberg verkabelte - damit die Bewohner störungsfrei DDR- und zugleich West-Fernsehen empfangen konnten. Aus Altersgründen hören die Technik-Freunde nun auf. Ihr Plan, die gesamte Anlage an eine Firma zu übergeben, die ihr Erbe weiterführt, ist allerdings gescheitert.
Zwei statt einen Nachfolger wird es geben. Die Mieter der Wohnungsgenossenschaft Zwickau-Land werden ab Juli vom bundesweit aktiven Anbieter Telecolumbus versorgt, die Wilkau-Haßlauer Wohnungsgesellschaft hat sich entschieden, mit der Kirchberger Firma Flechsig zusammenzuarbeiten. Die soll auch die Eigenheimbesitzer, die an das Netz der Antennengemeinschaft angeschlossen sind, mit bewegten Bildern beliefern. Gemeinsam ist allen, dass sie künftig mehr als die jetzige Jahrespauschale von 20 Euro fürs Fernsehen zahlen müssen: Der Telecolumbus-Tarif wird bei 7,50 Euro, der Flechsig-Preis bei 5 Euro pro Monat liegen. Eine Sendepause soll es beim Übergang nicht geben.
Beteiligte einigen sich nicht
Der Aufteilung an zwei Anbieter vorausgegangen war ein Streit zwischen der Antennengemeinschaft und der Wohnungsgenossenschaft. Eigentlich hatte Benkert bereits im Herbst 2010 die Anlage an ein Unternehmen abgeben wollen. Doch die Genossenschaft lehnte ab - und verwies auf eine Vereinbarung von 1985, wonach die Technik nur an die Antennengemeinschaft verliehen wurde und ein Teil der Anlage der Genossenschaft gehört.
"Die Antennengemeinschaft hätte die Anlage an uns übertragen können, wir hätten sie dann weitergeführt", sagt Wolfgang Schreyer, der Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft. Eigene Techniker habe er einsetzen wollen. Doch das wollte Benkert nicht. An die Anlage der Gemeinschaft sind 1400 Haushalte zwischen Aldi-Markt und Haßlauer Friedhof angeschlossen
Angst vorm schwarzen Schirm
Einige der Gemeinschaftsmitglieder fürchten, dass durch die Änderungen ihre Bildschirme ab Sommer schwarz bleiben. Die Wohnungsgenossenschaft wird die Leitungen, die durch ihre Häuser führen, nämlich entfernen und durch moderne Glasfaserkabel von Telecolumbus ersetzen. Die Verbindung zu den Häusern der Wohnungsgesellschaft und zu Eigenheimen ist damit gekappt, die ab Sommer für deren Mieter zuständige Kirchberger Firma muss das Leitungsnetz deshalb neu knüpfen. Bewohner von Häusern, "die nur mit unwirtschaftlichem Aufwand angeschlossen werden könnten, sehen dann schwarz", befürchtet Mike Hertel, ein Betroffener.
Wolfgang Schreyer sieht in der Partnerschaft mit Telecolumbus einen Schritt, um seine Wohnungen attraktiver zu machen. Durch die Glasfaserkabel könnten Mieter auch über den Fernsehanschluss im Internet surfen. Dass es das bisher nicht gab, habe mitunter einige jüngere Leute abgehalten, einzuziehen.


