Silvio Botzenhard, Chef des Stadtverbandes der Kleingärtner, freut sich über die Pachtangleichung.
Foto: Marcus Richter
Ausschuss stimmt über viertel Cent ab
Garten jahrelang nicht gleich Garten gewesen - Für jeden sechsten Quadratmeter musste eine höhere Pacht gezahlt werden - bis jetzt
Zwickau. 12 Cent oder 12,271 Cent: Das war zuletzt die Frage. Wer in Zwickau einen Kleingarten hatte, musste einen der beiden Beträge als Pacht bezahlen - pro Quadratmeter und Jahr. Dass es verschiedene Werte gab, störte die betroffenen Gärtner wie auch den Stadtverband, der sie vertritt. Vor allem die Rechnerei beklagte Silvio Botzenhard, der Vorsitzende des Verbandes. Bei der Stadt als Eigentümerin der Flächen warb er deshalb für eine Angleichung der Beträge - und wurde gehört: Der Finanzausschuss stimmte jetzt einem einheitlichen Pachtzins von 12 Cent zu, der rückwirkend für 2011 gilt.
Stadt büßt 4400 Euro ein
Für einen Teil der Zwickauer Gärtner bedeutet die Neuregelung eine Ersparnis. Allerdings nur eine winzig kleine. Ein Beispiel: Ein Laubenpieper, der 200 Quadratmeter Fläche gepachtet hat, spart 54 Cent - pro Jahr. Die Konsequenzen für den städtischen Haushalt sind dagegen etwas beträchtlicher. Für fast 167 Hektar Fläche verzichtet Zwickau auf einen Viertelcent pro Quadratmeter, was laut Verwaltung 4400 Euro weniger Einnahmen bedeutet. Insgesamt nimmt die Stadt aber immer noch rund 240.000 Euro ein.
Um Flächen entbrennt Streit
Die Frage, die bei aller Zahlenspielerei über allem steht, ist aber, weshalb es überhaupt jahrelang unterschiedliche Pachtbeträge gab. Lag es an besserer Erde bei den einen oder schlechter Aussicht bei den anderen? Mitnichten, sagt Silvio Botzenhard. Einziger Unterschied war, dass einige der Flächen nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Sowjetische Militäradministration enteignet worden waren. Nach der Wende gab es um sie einen jahrelangen Streit: Die früheren Eigentümer oder deren Nachfahren wollten ihre Grundstücke zurück. Der Europäische Gerichtshof urteilte schließlich vor wenigen Jahren, dass die Grundstücke in Eigentum der Stadt bleiben. Diese legte daraufhin für diese Flächen einen jährlichen Pachtzins von 12 Cent pro Quadratmeter fest.
Für Flächen ohne Enteignungs-Vorgeschichte bestand derweil seit der Wende eine Pacht von 24 Pfennigen. Mit der Euro-Einführung wurden daraus 12,271 Cent - die nun zu unkrummen 12 Cent wurden.


