In einer Tiefe von 45 bis 60 Zentimetern tauchten die Gräber auf. Grabungsleiter Matthias Schubert fand sie an der Gablenzer Kirche. Weitere Untersuchungen sollen Licht ins Dunkel der Kinderschicksale bringen.
Foto: Thomas Michel
Crimmitschau: Gräber von Kleinstkindern geben Archäologen Rätsel auf
Arbeiten dauern bis Ende der nächsten Woche
Crimmitschau. Reste von mehr als 20 Kinderbestattungen, die aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen, sind am Kirchplatz und am Kirchweg in Gablenz bei Crimmitschau entdeckt worden. Die hohe Anzahl und die hohe Dichte deuten darauf hin, dass auf dem Bereich des Friedhofes vorwiegend Kleinstkinder bestattet wurden. Sie waren, so schätzt der mit den Ausgrabungen beschäftigte Archäologe Matthias Schubert ein, zwischen 0 und 3 Jahre alt.
"Es gab die Tradition, dass Kinderbestattungen in der Nähe eines geweihten Ortes erfolgten", sagt Christiane Hemker, zuständige Referatsleiterin im Landesamt für Archäologie, zur Häufung der Gräber an diesem Standort. An schnellen Rückschlüssen, warum sich in Gablenz so viele Kindergräber befinden, beteiligt sich Hemker nicht: "Dann würden wir uns in das Reich der Spekulationen begeben. Damals gab es in Deutschland aber eine Kindersterblichkeitsrate von über 25 Prozent."
Bei den Ausgrabungen an der Gablenzer Dorfkirche haben die Archäologen auch die Gebeine dieses Mannes gefunden.
Foto: Thomas Michel
Bei der Suche nach einer Erklärung für die Kinderbestattungen müssen nun weitere Experten helfen. Särge, Knochenreste und Grabausstattungen werden in das Landesamt für Archäologie in Dresden gebracht. Hemker kündigt an, dass die seltenen Funde auch von Anthropologen untersucht werden. Dadurch könnte es möglicherweise Klarheit zu Verwandtschaftsbeziehungen und Krankheiten, die zum Tod der Kleinkinder geführt haben, geben. Erkenntnisse können auch Recherchen in Kirchenbüchern und Archiven, die noch angestellt werden müssen, bringen. Auffallend: Die Kindergräber verfügen über eine reiche Grabausstattung. Dabei handelt es sich um Totenkronen aus vergoldeten oder versilberten Kupferdraht, feinen Glasperlen, Bronzeblech und ein mit Kupferdraht besticktes Tuch oder Steckkissen.
Im Oktober 2011 gab es die ersten Verhandlungen zwischen Stadtverwaltung und Archäologie-Landesamt zu den Ausgrabungsplänen in Gablenz. Durch die Standorte der Vorgängerbauten der Kirche und den spätromanischen Taufstein im Gotteshaus hatten die Experten einen ersten Verdacht geschöpft. Im April begann Grabungsleiter Matthias Schubert mit den Untersuchungen. Unter seiner Regie wurde die Oberfläche des Platzes vor der Kirche schrittweise und vorsichtig entfernt.
In einer Tiefe von 45 bis 60 Zentimetern tauchten die Gräber auf. Durch den harten und lehmigen Boden in diesem Bereich würden sich die Gräber noch in einem guten Zustand befinden. "Bei einem kalkhaltigen Boden wäre von den Knochen nichts mehr übrig gewesen", sagt Matthias Schubert, der für die Freilegung einer Grabstelle etwa einen Tag benötigt. Der Archäologe, der 2005 sein Studium beendet hat, hält dabei sämtliche Arbeitsschritte mit der Kamera und im Notizbuch fest. Im Anschluss wird ein Grabungsbericht erstellt.
Straßenbau und Archäologie
Die Kosten für den Ausbau des Kirchweges in Gablenz belaufen sich auf rund 223.000 Euro. Bisher ist die Finanzierung des Vorhabens noch ungewiss. Die Stadt rechnet mit Fördermitteln in Höhe von 134.000 Euro aus dem Programm "Integrierte ländliche Entwicklung".
Christiane Hemker.Foto: Thomas Michel
Trotz der Zusage des Koordinierungskreises hat der Landkreis die Fördergelder bisher noch nicht ausgereicht. Deshalb steht der Beginn des Straßenbaus noch in den Sternen. Die Ausgrabungsstellen sollen in den nächsten Wochen wieder verschlossen werden.
Die Archäologen haben sich vor der Kirche, die 1864 neu erbaut wurde, auf ein 73 Quadratmeter großes Grabungsfeld konzentriert. Sie verteilen sich in einer Länge von 15 Metern und in einer Breite von 4 bis 6 Metern. Neben den Kinderbestattungen wurden auch die Reste von zwei erwachsenen Männern entdeckt.

