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Merkel will mehr Ausländer in Schule, Polizei und Feuerwehr

Kanzlerin wirbt für Migranten im Öffentlichen Dienst - Experten kritisieren Förderung der Kinder

Berlin (dapd). Polizeien, Feuerwehren und Schulen sollten nach Auffassung von Kanzlerin Angela Merkel mehr Menschen aus ausländischen Familien einstellen. Sie könne es sich gut vorstellen, dass es in Bereichen des Öffentlichen Dienstes mehr Zuwanderer gebe, erklärte die CDU-Vorsitzende in ihrer am Samstag veröffentlichten Videobotschaft. Die Grünen erklärten, Merkels Äußerungen seien nur "heiße Luft".

Merkel sagte, Deutschland sei noch nie so vielfältig gewesen wie heute. Fast ein Fünftel der Menschen, die in Deutschland wohnten, hätten ihre Wurzeln in einem anderen Land. Die deutsche Gesellschaft werde vielfältiger, da der Anteil der Migranten zunehme.

Integration sei deshalb eine Aufgabe von nationaler Bedeutung, erklärte die Kanzlerin. "Es ist ein längerer Prozess, und es geht darum, dass Zuwanderer genauso wie diejenigen, die schon lange hier leben, ihren Beitrag dazu leisten."

Integration sei eine Arbeit, die auf Gegenseitigkeit beruhe. "Die Bundesregierung misst dieser Arbeit allerhöchste Priorität zu, und das werden wir auch in Zukunft tun", sagte Merkel und verwies auf den nächsten Integrationsgipfel Ende Januar. Auf der Tagesordnung stehe die Fortentwicklung des Nationalen Integrationsplans. Es gehe darum, "aus freiwilligen Vereinbarungen, zeitlich befristeten Vereinbarungen Regelangebote zu machen".

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, meinte hingegen, Merkel Aufforderung sei "fast schon zynisch". Kinder der einstigen Einwanderer seien heute "Auswanderer, weil sie zu wenig Chancen bekommen. Da hilft kein Podcast und kein weiterer Integrationsgipfel, auf dem nur geredet wird".

Deutschland brauche eine Einbürgerungsoffensive, bei der Mehrstaatlichkeit akzeptiert und der Optionszwang gegenüber den jungen Leuten abgeschafft werde, erklärte Künast. "Falls die Kanzlerin es noch nicht gemerkt hat: Viele Tätigkeiten im Öffentlichen Dienst werden im Beamtenstatus erledigt, der setzt die deutsche Staatsbürgerschaft voraus."

Die vielen Initiativen zur Sprachförderung von Migrantenkindern bringen derweil offenbar nicht die erhofften Fortschritte. Trotz einer "Fülle an Programmen" und "politischem Aktionismus" seit Veröffentlichung der ersten PISA-Ergebnisse habe man keinen Aufholeffekt feststellen können, schreiben laut "Spiegel" Experten des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung in einem Diskussionspapier.

Besonders negativ auf den Spracherwerb wirke sich aus, dass die Trennung zwischen deutschen und nichtdeutschen Kindern "in den Kitas größer ist als im Wohnumfeld", schreiben die Autoren nach Angaben des Magazins. Während sich Migrantenfamilien, wenn überhaupt, meist eine Kindertageseinrichtung in der Nähe suchten, wichen vor allem gebildete deutsche Eltern auf Kitas "mit ihrer Ansicht nach günstigeren Bedingungen" aus. Dadurch fehle den Kindern aus Ausländerfamilien häufig das nötige Sprachumfeld.

Die Aufgabe, den Kindern richtiges Deutsch beizubringen, weisen die Wissenschaftler dem Bericht zufolge in erster Linie den staatlichen Einrichtungen zu. Eltern sollten mit ihrem Nachwuchs in der Sprache reden, die sie selbst am besten beherrschen.

(http://www.bundeskanzlerin.de)

dapd

 
erschienen am 15.01.2012
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