Foto: dapd
Trierer Bischof im Kreuzverhör
Missbrauchsfall: Ackermann stellt sich Kritik von Mitarbeitern
Trier (dapd-rps). Der Bischof hatte zum offenen Gespräch eingeladen, offen und teilweise auch harsch war die Kritik, die sich Stephan Ackermann am Mittwochabend von einigen seiner Mitarbeiter anhören musste. Der 48-Jährige räumte Fehler ein und übte auch Selbstkritik. Doch zugleich verwahrte er sich gegen Vorwürfe, er habe gezielt vertuschen wollen.
Seit Wochen stehen Ackermann und sein Generalvikar Georg Holkenbrink in der Kritik. Der Grund: Obwohl die Kirche bereits vor einem Jahr Kenntnis von Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester hatte, der im Saarbrücker Stadtteil Burbach wirkte, konnte dieser noch bis in den Herbst hinein Gottesdienste feiern. Wenige Tage vor Weihnachten hatte der Bischof, der auch Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz ist, in einem offenen Brief schwere Fehler eingeräumt. Offenbar vermochte das nicht alle Gemüter zu beruhigen.
Groß war denn auch der Andrang zu der öffentlichen Versammlung in Trier, rund 200 Mitarbeiter des Bistums und interessierte Gläubige waren gekommen. Sie sei "persönlich enttäuscht" von ihm, sagte eine Teilnehmerin gleich zu Beginn der Diskussion. Eine andere Mitarbeiterin beklagte die Praxis, auffällig gewordene Priester häufig in Krankenhäuser zu versetzen. Ob ihm denn nicht bewusst sei, was für einen "verheerenden Eindruck" das bei der gesamten Krankenhausseelsorge hinterlasse? Mehrere Mitarbeiter forderten, dass die Täter gar nicht mehr in der Seelsorge eingesetzt werden dürften.
Der Bischof räumte erneut ein, dass es im Fall des Saarbrücker Pfarrers schwerwiegende Versäumnisse gegeben habe. Ein Grund seien Kommunikationspannen unter den Beteiligten gewesen, auch in der Bistumsleitung. Personelle Konsequenzen wird dies vorerst nicht nach sich ziehen: "Ich trage letztlich die Verantwortung", so Ackermann. Entschieden verwahrte er sich jedoch gegen Vorwürfe, er habe den Missbrauchsfall vertuschen wollen. Derartige Behauptungen, die auch Mitarbeiter seines Bistums geäußert hatten, überschritten eine Grenze: "Das kränkt und verletzt mich".
Wohl selten musste sich ein katholischer Bischof einem derartigen Kreuzverhör stellen. Ackermann selbst hatte gleich zu Beginn des Gesprächs von einem "Wagnis und Experiment" gesprochen, auf das er sich da einlasse. In den folgenden eineinhalb Stunden war der Kirchenmann offenkundig um eine Gratwanderung bemüht - zwischen selbstkritischer Offenheit und dem Versuch, sich gegen aus seiner Sicht unverhältnismäßige Kritik zur Wehr zu setzen. Als eine Rednerin in den Saal rief, die "Machtstrukturen" der Kirche bildeten ein "offenes Scheunentor für Sexualstraftäter", konterte Ackermann heftig: "Mit solchen Sprüchen kann ich nichts anfangen".
Auf die Frage, was mit Priestern geschehen solle, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben, musste der Bischof passen. "Ich habe noch keine Lösung", erklärte Ackermann und ergänzte, "ich kann sie nicht einfach vor die Tür setzen". Auch werde es "kein Guantanamo für kirchliche Verbrecher" geben können, wählte der Bischof einen gewagten Vergleich. Abgesehen davon stünden für ihn aber ohnehin die Opfer im Vordergrund, nachdem diese über Jahrzehnte keinerlei Gehör in der Kirche gefunden hätten, betonte der 48-Jährige.
dapd