Kultur

Das große Zeichnen

Viele Museumsnacht-Besucher greifen selbst zum Stift


Foto: ddp

Berlin (ddp-bln). Ein Mischlingshund verliebt sich in einen Pudel. Doch der ist Teil eines Gemäldes und verschwindet im Museum. Aus dem Bild tropfen Tränen in Herzform. Das ist der Anfang einer Geschichte des 20 Meter langen Comics, der am Samstag in der 25. Langen Nacht der Museen im Berliner Kulturforum am Potsdamer Platz entstand. Gemalt hat dieses Detail Sabine Gerschmann aus Neukölln. Die 45-jährige Sozialpädagogin gehört zwar zu den Stammbesucherinnen der Kunstnacht, doch dieses Mal konnte sie dabei neben dem eigentlichen Kunstgenuss auch ihrem Hobby - dem Zeichnen - frönen.

Das Comic-Zeichnen gehörte zu den zahlreichen Offerten, bei denen die Besucher in der diesjährigen Langen Nacht der Museen selbst zum Stift greifen konnten. Die englische Idee des gemeinsamen Malens - das sogenannte Big Draw - regte viele Nachtschwärmer an, die kindliche Fähigkeit zu Stricheleien und simplen Konzeptstudien wieder zu entdecken. Im Kulturforum war dafür ein ganzes Mal-Forum eingerichtet worden. Künstler leiteten zum Porträtmalen wie auch zu Mode-Zeichnungen an. Im Bode-Museum wie auch im Brücke-Museum versuchten sich die Besucher am Aktzeichnen. Insgesamt konnten die Kunstfans in Zeichenlaboren von neun Museen ihr Talent testen.

Unter dem Motto "Museumslandschaft im Wandel" hatte die Kunstnacht wie schon im vorigen Jahr mit einem Picknick am Lustgarten begonnen, dessen wechselvolle Geschichte vom Küchengarten im 15. Jahrhundert bis hin zur heutigen Gestaltung im Sinne des preußischen Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenne (1789-1866) in Führungen erläutert wurde. Einige hatten selbst einen Picknick-Korb dabei, andere griffen auf das Angebot mit bereits gefüllten "fairen Picknickpaketen" zurück und stimmten sich mit einem Glas Wein auf die traditionelle Kunstnacht ein.

Der Lustgarten werde "in der Langen Nacht immer mehr zum eigenen Museum", sagte Gabriele Miketta von der Kulturprojekte Berlin GmbH am Sonntag. Erstmals seien in diesem Jahr die in der Vergangenheit meist überfüllten Orgelkonzerte aus dem Berliner Dom nach draußen übertragen worden. Zur ungewöhnlichen Stimmung habe auch die Illuminierung des Alten Museums beigetragen.

Insgesamt öffneten in der Museumsnacht wieder mehr als 100 Museen, Sammlungen und Archive bis zwei Stunden nach Mitternacht ihre Pforten. Rund 35 000 Berliner und Gäste nutzten das, wie Miketta sagte. Besonders gefragt seien die um den Lustgarten gelegenen Einrichtungen wie der Berliner Dom mit 14 000 Besuchern, das Deutsche Historische Museum (DHM) mit 9100 Gästen, das Bode-Museum mit 7100 und das Alte Museum mit 7400 Besuchern gewesen.

Die Kulturprojekte GmbH veranstaltet die Lange Nacht gemeinsam mit den Berliner Museen seit Februar 1997. Sie dient inzwischen als Vorbild für Museumsnächte in vielen anderen Orten. Den Angaben zufolge haben fast 100 Städte in Deutschland und weitere 50 weltweit die Idee aufgegriffen. Die Museumsnacht N8 in Amsterdam, die Nuit Blanche in Paris und La Notte Bianca in Rom sind prominente Beispiele dafür. Aber auch im argentinischen Buenos Aires und isländischen Reykjavik ist inzwischen die Kunst bei Nacht bliebt.

(ddp)


Erschienen am 30.08.2009

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