Kultur
Schwulenfeindlicher Sänger Sizzla darf in München auftreten
Scharfe Kritik von Berliner Bündnis
München (ddp-bln). Um Auftritte des umstrittenen jamaikanischen Reggae-Künstlers Sizzla gibt es weiter Streit. Anders als in Berlin darf der wegen homosexuellenfeindlicher Songtexte in die Kritik geratene Sänger in München auftreten. Der Geschäftsführer der Konzerthalle Backstage, Hans-Georg Stocker, sagte am Freitag in München auf ddp-Anfrage, er sehe keinen Grund, das Sizzla-Konzert am Abend abzusagen: "Wenn wir befürchten würden, dass gegen Schwule gehetzt wird, dann dürfte er nicht auftreten." In Berlin hatte Sizzla am Vortag nach heftiger öffentlicher Kritik an seinen homosexuellenfeindlichen Äußerungen nicht wie geplant auftreten dürfen.
Auch an dem in Bayern geplanten Konzert gibt es scharfe Kritik aus der Hauptstadt. Das Berliner Bündnis "Smash Homophobia", das in Berlin eine Demonstration gegen das geplante Konzert des Jamaikaners organisiert hatte, zeigte sich schockiert. "Es spricht absolut gegen den Club Backstage, dass auf dem Auftritt beharrt wird", sagte Sprecher Frank Leitermann auf ddp-Anfrage. "Was in Berlin nicht geht, geht auch in München nicht", fügte er hinzu. Backstage-Chef Stocker beteuerte, dass Backstage sei "ein schwulen- und lesbenfreundlicher Laden".
Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat in diesem Jahr zwei CDs von Sizzla auf den Index gesetzt. Auf beiden werde zur Tötung von Schwulen aufgerufen, sagte eine Sprecherin. Homosexuelle würden zudem diskriminiert und in ihrer Würde verletzt.
Stocker erwiderte, dies sei "alles nicht so eindeutig". Zwar seien die Texte zum Teil "sehr aggressiv und brutal", aber Sizzla sei ein "international anerkannter Künstler". Er werde nun dargestellt als "ein Hetzer, der zu Mord und Totschlag aufruft". Dies sei "komplett absurd". In älteren Texten habe es solche Passagen womöglich gegeben, das wolle er "gar nicht beschönigen", räumte der Hallenchef ein. Doch Sizzla habe sich geändert.
Der Geschäftsführer des Münchner Schwulenzentrums SUB, Christian Schultze, bedauerte, dass der Auftritt stattfinden dürfe. Die Texte Sizzlas stünden "im krassen Gegensatz zur Menschenwürde", sagte Schultze auf ddp-Anfrage. "Hasstiraden, wie Sizzla sie in seinen Liedtexten verbreitet, haben in unserer Gesellschaft keinen Platz und dürfen in Deutschland nicht wieder salonfähig werden."
Stocker sprach im Gegenzug von einer "Hetzkampagne" der Homoszene und mahnte Fairness an. Die Vorwürfe grenzten an Rufmord. Für das Konzert am Abend wurde ein Mindestalter von 16 Jahren festgelegt.
In Berlin hatten Kesselhaus und Huxleys Neue Welt Sizzla-Konzerte abgesagt. Die Sprecherin des Kesselhauses sagte, dass der Künstler eine Vereinbarung nicht unterschrieben habe. Das vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland und dem Veranstalter vorgeschlagene Papier sah eine Kampagne zur Verbesserung der Lebenssituation von Lesben und Schwulen auf Jamaika vor. In dem Land stehen homosexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe.
(ddp)
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