Kultur
"Ich stehe schon lange in Kontakt mit meiner dunklen Seite"
Der lateinamerikanische Hollywood-Star Benicio del Toro über seine Rolle als Wolfsmensch und seinen Film-Vater Anthony Hopkins
Hollywood. Der puertoricanische Schauspieler Benicio del Toro ist einer der vielseitigsten Stars unserer Zeit. Lange nur als "lateinamerikanischer Brad Pitt" wahrgenommen, hat sich der 1,88-Meter-Hühne in den letzten Jahren als eigenständiger Charakter-Mime freigeschwommen. Für das Remake des Horrorfilms "Der Wolfsmensch" aus dem Jahr 1941 schlüpft er nach cineastischen Meisterwerken wie "21 Gramm" nun in eine Popcorn-Monster-Rolle und mimt Anthony Hopkins entfremdeten Sohn. Daena Linkus sprach mit dem 42-jährigen Oscarpreisträger.
Freie Presse : Worin liegt für Sie die Faszination von Horrorfilmen?
Benicio del Toro: Die Attraktion ist das Unbekannte. Bevor die Menschheit nicht herausgefunden hat, was nach dem Tod mit uns geschieht, wird sie sich immer für das Phantastische, für Monster und sonstige unglaubliche Phänomene interessieren. Sie sind Teil unseres Unterbewusstseins. In dem Moment aber, wo wir das Rätsel gelöst haben, werden die Monsterfilme sofort aus der Mode kommen.
Freie Presse: Die neue Version von "Der Wolfsmensch" wird wie das Original aus dem Jahr 1941 im klassischen Stil erzählt. Waren Sie von Anfang an überzeugt von dieser Machart?
del Toro: Ja. Wir wollten den klassischen Stil beibehalten, aber damit trotzdem das Hier und Jetzt erreichen. Daher brachten wir mehr Farbe und einige neue Wendungen in die Handlung ein. Entscheidend war auch das Make-Up. Wenn das Monster nicht perfekt aussieht, kannst man den ganzen Film vergessen. Und wenn man es gut machst, kannst man etwas für die Ewigkeit schaffen: Zeige einem Zehnjährigen ein Bild von Boris Karlhoff aus dem Film "Frankenstein" von 1932, und er wird ihn sofort identifizieren können. Er braucht den Film dafür vorher nicht einmal gesehen zu haben, es wird ihm quasi in der DNA mitgegeben.
Freie Presse: Mussten Sie für diesen Horrorfilm in Kontakt mit Ihrer dunklen Seite treten, um diesen Werwolf überhaupt spielen zu können?
del Toro: Ich bin stehe schon lange in Kontakt mit meiner dunklen Seite, glauben Sie mir.
Freie Presse: Wovon haben Sie sich für die Rolle inspirieren lassen? Haben Sie sich die Mimik irgendwo abgeschaut?
del Toro: Ich habe zwei Hunde, einen Bernhardiner und einen Australian Shepherd. Von den beiden Kerlen konnte ich einiges lernen. Leider ist meine Zunge nicht ganz so lang wie ihre. Ich wünschte, ich könnte meine Nase damit putzen, genauso wie sie.
Freie Presse: Wenigstens hatten Sie dafür das Vergnügen, Anthony Hopkins als Leinwand-Vater zu haben.
del Toro: Ach, das war fast genauso wie mit meinem echten Vater. (lacht) Nein, mein Vater war zwar auch sehr streng und hat Pistolen besessen, aber das sind schon die einzigen Parallelen.
Freie Presse: Und, waren Sie von Hopkins genauso beeindruckt wie viele ihrer Kollegen?
del Toro: Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Einmal so einen Parade-Schauspieler vor sich zu haben, der einem zeigt, wo die Einfachheit liegt und wo sie endet. Ein Fotograf kann zehn Rollen Film verknipsen, um das perfekte Foto zu schießen. Oder er weiß genau, was er will und braucht nur zwei oder drei Klicks. Anthony Hopkins hat mich an dieses Prinzip erinnert. Er kommt ans Set, legt los und verschwendet dabei keinen Funken Energie. Ich bin nun zwar nicht auf dem gleichen Level wie er - aber zumindest viel besser als früher.
Freie Presse: Fast nichts hat Ihnen soviel abgerungen wie Ihre Rolle als Che Guevara. Trotzdem blieb die verdiente Anerkennung danach aus. Bekamen Sie damals Zweifel an Ihrer Schauspielkunst?
del Toro: Nein, keine Spur! Lob ist schön und gut, aber dafür tue ich das Ganze hier nicht. Im Übrigen hat "Che" einige Awards bekommen, nur eben nicht die in Hollywood üblichen. In einigen Ländern hat der Film große Aufmerksamkeit erregt, in anderen weniger. Je mehr Zeit vergeht, desto stolzer bin ich auf den Film, schließlich war er ein großes Stück Arbeit.
Freie Presse: Wie waren im Vergleich dazu die Dreharbeiten zu "Wolfman"?
del Toro: Sie waren eine große Erleichterung. Ich konnte mein Make-Up auflegen und Spaß haben, es war wie auf einer Halloween-Party. Für "Che" musste ich mich an historische Fakten halten und habe deshalb immer einen Riesenstapel Bücher mit mir herumgeschleppt.
Freie Presse: Nun folgt nun ein im Internet bereits viel diskutierter Auftritt in Sofia Coppolas kommenden Film "Somewhere". Können Sie uns etwas darüber erzählen?
del Toro: Es ist nur ein kleiner Auftritt. Ich spiele Benicio del Toro, der sich im berühmten Hotel Chateau Marmont aufhält - das ist alles.
Freie Presse: Haben Sie schon mal daran gedacht, sesshaft zu werden, mit einer Ehefrau und vielen Kindern?
del Toro: Vorgestellt habe ich mir das schon oft - mir fällt es nur äußerst schwer, das richtige Mädchen für mich zu visualisieren. Im Moment denke ich nicht all zu viel darüber nach. Aber möglich wäre es, könnte bestimmt recht nett sein.
Filmografie (Auszug)
"James Bond 007 - Lizenz zum Töten" (1989); "Money for Nothing" (1993); "China Moon" (1994); "Die üblichen Verdächtigen" (1995); "Der Fan" (1996); "Fear and Loathing in Las Vegas" (1998) "Snatch - Schweine und Diamanten" (2000); "Traffic - Macht des Kartells" (2000); "21 Gramm" (2003); "Sin City" (2005) "Che" (2008).
weitere Meldungen:
Ein Leben mit dem Zeichenstift im Wandel der Zeit - Heini Scheffler
Das vorliegende Buch vermittelt einen Überblick über ...zum Buch
Saxon - special guest Suidakra
Kaum eine Band der aktuellen Rock- und Heavy Metal-Szene ...zum Ticket
Eine Schlemmerreise rund um die Silberstraße
zum Artikel
Sächsischer Wanderführer - Teil 2: Dresden und Umgebung
40 Touren, 737,5 km rund um die Landeshauptstadt - ...zum Buch
Übersicht
Drucken
Versenden