Kultur

Die Sachsen morden wieder: Reichlich Blut und menschliche Abgründe

Vierter Band der Anthologie "Mords-Sachsen" erschienen - 19 Autoren schreiben über fiktive Verbrechen und führen literarisch an reale Orte im Freistaat


Chemnitz. Die Leipziger Buchmesse als ein tödliches Terrain - zumindest wünscht sich das Hannes Hutwalker, die Hauptfigur von Horst Bosetzky in seiner Krimi-Kurzgeschichte "Hollywood in Delitzsch". Dabei will Hutwalker nicht selbst zum Attentäter werden, sondern er beauftragt seinen eigenen Mord. Wo sein Leben enden wird, überlässt er dem Killer, aber heimlich wünscht er sich die Buchmesse als Kulisse für seinen letzten großen Abgang - der Tod eines deprimierten Gescheiterten.

Die Auftaktgeschichte im neuen Band "Mords-Sachsen 4" steht symbolisch für die jetzt veröffentlichte Anthologie. Denn es kommt meistens anders, als man denkt: Das Opfer, das den eigenen Mörder beauftragt, Jugendliche, die harmlose Gesten völlig falsch verstehen und ausrasten, oder eine Seniorin als fanatische Tierschützerin und hinterlistige Mörderin. Dabei sparen die 19 Autoren nicht mit Blut. Das fließt reichlich, während sich menschliche Abgründe auftun, die beim Lesen oft nur eiskalten Schauer erzeugen.

Mario Ulbrich zum Beispiel siedelt seinen Krimi in der Königsbrücker Heide an. Ein landschaftlich, reizvoller Fleck mit vielen unberührten, weil für Besucher verbotenen Ecken. Dort verschwindet ein Mädchen spurlos. Natürlich ein Verbrechen. Und der Täter verdient die Abscheu des Lesers zu Recht. Doch so einfach lässt Ulbrich seine Fiktion nicht ausklingen. Zuviel soll wegen der Spannung nicht verraten werden. Nur eines ist sicher: Auch bei dieser Geschichte gilt: Es kommt anders, als man denkt.

Zwickau, Schwarzenberg, Bad Schlema, Lunzenau, Rochlitz und das Vogtland sind nur einige der literarischen Tatorte. Johannes Fischer lässt in seinem Krimi einen 16-Jährigen zunächst nur in der Fantasie des Pubertierenden zum brutalen Mörder werden. Doch der Schritt vom geheimen Gedanken zur gnadenlosen Umsetzung benötigt manchmal nur einen kleinen Auslöser. In diesem Fall ein (tödliches) Lächeln.

Gift, Pistolen, Messer, Äxte - die Autoren zeigen Vielfalt, wenn es darum geht, unliebsame Zeitgenossen aus dem Weg zu räumen. Und wer die Geschichte von Henner Kotte gelesen hat, der wird sich nie wieder freuen, wenn zufällig ein Taxi am Straßenrand wartet. Denn da einzusteigen, kann sich als tödlicher Fehler erweisen, der nicht wieder zu korrigieren ist.

Buchtipp

Claudia Puhlfürst, Mario Ulbrich (Herausgeber): Mords-Sachsen 4. Gmeiner-Verlag. 274 Seiten. 9,90 Euro. ISBN 9783839210529. Das Buch ist in allen Geschäftsstellen der "Freien Presse" erhältlich.www.freiepresse.de/shop


Von Grit Strietzel

Erschienen am 19.03.2010

© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
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