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Ausstellung thematisiert Gewalt und Heilung
Yoko Ono präsentiert "Das Gift" - Berlin spielt eine wichtige Rolle für die Lennon-Witwe
Berlin (dapd). Kriegshelme, zerschossene Glasscheiben, Schreie - das Gewaltmotiv ist allgegenwärtig in Yoko Onos neuer Ausstellung "Das Gift". "Eine friedliche Welt ist nur möglich, wenn wir die Realität zeigen, so wie sie ist", erklärte die japanisch-amerikanische Konzeptkünstlerin ihre düstere Schau, die am Freitag in der Berliner Galerie Haunch of Venison eröffnet wurde. "Das Gift" wurde eigens für die Galerie konzipiert und zeigt Filme, Tonaufnahmen, Skulpturen und Elemente, an denen die Besucher selbst mitwirken können. Auch die deutsche Hauptstadt spielt eine wichtige Rolle in der Ausstellung der inzwischen 77-jährigen Witwe von Beatles-Sänger John Lennon.
Gewalt und Frieden - damit hat sich Yoko Ono zeitlebens beschäftigt. "Die ganze Welt ist voller Gewalt", sagte die Vertreterin der Fluxus-Kunstbewegung bei der Eröffnung ihrer Schau. "Damit müssen wir uns auseinandersetzen, es bringt nichts, das unter den Teppich zu kehren." Über ihre eigene Gewalterfahrung sagte Ono: "Es gab eine Zeit, in der ich hätte entscheiden können zu ertrinken, aber ich entschied mich dafür zu überleben."
Auch der Titel "Das Gift" soll Onos Sichtweise von Gewalt verdeutlichen. "Gift" habe in der deutsch-englischen Übersetzung eine Doppelbedeutung - sei einerseits Geschenk, andererseits Gift, sagte Ono. "Es drückt die Vergiftung der Welt aus - wir bekommen vergiftete Geschenke."
Mittelpunkt der Schau ist Onos Werk "A Hole" - eine Glasskulptur mit einem Einschussloch. Damit fordert Ono den Betrachter auf, beide Perspektiven der Gewalt einzunehmen - die des Aggressors und die des Opfers. Jeder Mensch habe bereits Gewalt erlebt, betonte die Performance-Künstlerin. Deshalb sollten die Besucher der Ausstellung ein Zeugnis ihrer eigenen Gewalterfahrung mitbringen. In einem separaten Raum, in dem Berliner Stadtpläne aus verschiedenen Epochen hängen, kann die "Erinnerte Gewalt" befestigt werden.
Neben dem dominierenden Gewaltmotiv setzt sich Ono in "Das Gift" auch mit den Themen Heilung, Veränderung und Liebe auseinander. In "Erinnerte Gewalt" würden die einzelnen Gewalterfahrungen irgendwann von anderen überdeckt, sagte Ono. "So können wir die Erfahrungen überwinden und sie schließlich vergessen." Im Obergeschoss der Galerie werden die Besucher aufgefordert, in eine Kamera zu lächeln. Dieses Lächeln wird anschließend an eine Wand projiziert. "Wir alle haben Gewalt erlebt, aber am Ende lächeln wir gemeinsam und so können wir es schaffen", sagte Ono.
Berlin spielt für Ono eine besondere Rolle. "Es ist großartig, eine Installation an einem Ort zu zeigen, wo die Menschen meine Kunst verstehen", sagte die Künstlerin. Berlin sei eine so friedliche Stadt und es sei "so hip, hierherzukommen". Die Stadt gebe ihr das Gefühl "einer Gruppenmeditation der Kreativität". Berlins Geschichte der Gewalt habe für die Ausstellung allerdings keine Rolle gespielt. "Ich werde einfach inspiriert und dann kommen Dinge aus mir heraus, von denen ich selbst gar nichts wusste."
"Das Gift" ist bis zum 13. November dienstags bis freitags von 11.00 bis 18.00 Uhr bei Haunch of Venison zu sehen. Der Eintritt ist frei.
ddp