Foto: dapd
Der Klassenclown des deutschen Films
Schauspieler Michael Gwisdek wird 70 Jahre alt
Berlin (dapd). Er gilt als einer der wandlungsfähigsten Schauspieler Deutschlands. Ob als Komödiant, Melancholiker oder Exzentriker - Michael Gwisdek überzeugt in den meisten Rollen und wurde so zu einem der erfolgreichsten deutschen Akteure. Auch als Regisseur verzeichnete er Erfolge. Am Samstag (14. Januar) wird Gwisdek 70 Jahre.
Sich zur Ruhe zu setzen - das kommt für ihn nicht infrage. Als Rentner zu leben, könne er sich gar nicht vorstellen, sagte er der "Super Illu". Gerade bastele er an einem Roadmovie: "Einen Musikfilm, in dem Henry Hübchen und Uwe Kokisch die Hauptrollen spielen."
Auch danach will er wohl Präsenz zeigen: Der "skurrile Alte" sei ein Fach, das sich in seinem Alter anbiete, sagte er 2010 in einem ddp-Interview. "Wenn ich dann eine Rolle kriege, wo ich so dreinschauen kann wie Clint Eastwood und etwas weniger sage, dann ist das schön."
Gwisdek sieht sich - wegen seiner zahlreichen komödiantischen Rollen - als "Klassenclown des deutschen Films". "Ich habe ja meinen Stempel weg, gegen den ich nichts habe, das ist eben mein Image", sagte er.
Seinen wohl größten Erfolg feierte er in Andreas Dresens "Nachtgestalten" - als Geschäftsmann, der sich eines obdachlosen Jungen annimmt. Diese schauspielerische Glanzleistung brachte ihm 1999 bei der Berlinale einen Silbernen Bären als bester Hauptdarsteller ein.
Geboren wurde er am 14. Januar 1942 im Berliner Stadtteil Weißensee. Nach einer Ausbildung zum Gebrauchsgrafiker und der Arbeit als Plakatmaler und Dekorateur begann er 1965 seine Schauspielausbildung. Er war unter anderem an Theatern im damaligen Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), später am Deutschen Theater und an der Volksbühne in Berlin engagiert. Sein Leben in der DDR betrachtet er positiv. "Es war nicht böse gemeint, sondern ist böse geworden", sagte er. "Eine Zeit lang haben wir geglaubt, dass es sich lohnt und wir die Guten sind." Die DDR sei ein Versuch gewesen, der gescheitert sei.
1968 war er erstmals auf der Leinwand zu sehen - in einer Nebenrolle als Cowboy in dem DEFA-Indianerfilm "Spur des Falken". Als einer der wenigen DDR-Schauspieler durfte Gwisdek bereits in den 70er- und 80er-Jahren auch in Filmen westdeutscher Regisseure mitwirken. Seit den 90er-Jahren tritt er in unregelmäßigen Abständen im "Tatort" auf. Er war 2003 auch in der Erfolgsproduktion "Good Bye, Lenin" zu sehen und hatte drei Jahre später einen Auftritt in "Elementarteilchen". Auf der Berlinale 2010 erregte er in Matti Geschonnecks Film "Boxhagener Platz" Aufsehen, in dem er um eine männermordende Rentnerin wirbt.
Insgesamt spielte Gwisdek in mehr als 100 Filmen mit. Als ihm 1988 vor dem 200. Jahrestag der Französischen Revolution ein von mehreren Regisseuren abgelehntes Drehbuch über den deutschen Revolutionär Georg Forster angeboten wurde, nutzte Gwisdek die Chance, bei "Treffen in Travers" selbst Regie zu führen. Der Film verhalf ihm auf Anhieb zu internationalem Renommee. Seitdem arbeitet Gwisdek sowohl vor als auch hinter der Kamera.
Gwisdek hat zwei erwachsene Söhne mit Corinna Harfouch, von der er 2007 geschieden wurde. Im selben Jahr heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Gabriela, mit der er in der Schorfheide wohnt, rund 60 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt.
Seinen Ehrentag will er nicht groß feiern. Er werde mit seiner Frau auf eine Insel reisen, die keinen Handyempfang habe, sagte er der "Super Illu". Die Zahl 70 sei "einfach scheiße. Die hat sich jetzt in meinem Kopf festgesetzt und signalisiert mir: Du bist ein alter Mann. Das bin ich aber nicht - weder mental, noch in meinem Gefühl."
dapd