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Designierter DHM-Chef will schnell auf aktuelle Debatten reagieren
Koch will ab Sommer in Berlin sein
Berlin (dapd). Der designierte Direktor des Deutschen Historischen Museums in Berlin, Alexander Koch, will in Ausstellungen, Tagungen und Symposien aktuelle gesellschaftliche Debatten aufgreifen. "Wir müssen rascher reagieren auf Dinge, mit denen wir uns täglich beschäftigen", sagte der 44-jährige Historiker am Donnerstag in einem dapd-Interview in Berlin. Sein Ziel sei die Schaffung von größerer Aktualität. "Ein Museum kann sich in aktuelle gesellschaftliche Debatten einmischen und positionieren."
Koch war am Dienstag vom Kuratorium des DHM zum Nachfolger des am 31. März scheidenden Direktors Hans Ottomeyer gewählt worden. Er plant seinen Wechsel nach Berlin zum 1. August, wie er sagte. Die Vakanz dürfe nicht zu groß werden, fügte Koch hinzu, der derzeit Direktor des Historischen Museums der Pfalz in Speyer ist und als Professor am Vorgeschichtlichen Seminar der Universität Marburg lehrt. Wer das DHM von April bis Juli führen solle, wisse er noch nicht.
Es gehe darum, das Museum weiterzuentwickeln, betonte Koch. Dafür gebe es viele Ansatzpunkte. "Das Betreiben eines Museums begreife ich als einen Prozess, bei dem es viele Stellschrauben gibt", sagte er. Es gehe um die Frage, was ein Haus in den Bereichen Forschung und Vermittlung leisten könne. Darüber hinaus müsse die Perspektive des Rezipienten berücksichtigt werden. Dazu sollten die Besucher auch weiter befragt werden. "Historische Themen können über eine Vielzahl von Medien vermittelt werden", betonte Koch.t
Koch sagte, das Nationalmuseum biete ungeahnte Möglichkeiten und sei eine fantastische Wirkungsstätte. "Das DHM ist einerseits die große Mutter der historischen Museen und auf der anderen Seite ihr Urenkel, da es ja vor noch nicht einmal 25 Jahren gegründet wurde."
Für den neuen Posten benötige man am besten eine "multiple Persönlichkeit", meinte Koch lachend. Man brauche Balance, Neugier und Weitblick. Er freue sich wahnsinnig über seine Berufung zum DHM-Chef. "Das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet." Es sei ein enormes Privileg und eine herausfordernde Aufgabe, ein solches Haus zu führen - vor allem mit einer langfristigen Perspektive, sagte Koch in Anspielung auf sein Alter.
Koch ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er ist seit 2005 Direktor des Historischen Museums der Pfalz in Speyer. Nach seiner Promotion in Vor- und Frühgeschichte arbeitete er von 1993 bis 1999 am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz.
Nach Lehraufträgen an den Universitäten Marburg, Heidelberg, Frankfurt, Bern und Zürich sowie an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer war er von 2001 bis 2005 Leiter des Fachbereichs Sammlungen und Mitglied der Geschäftsleitung des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich. 2002 habilitierte Koch im Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften der Universität Marburg.
Das DHM mit Sitz im Zeughaus Unter den Linden gilt als eines der führenden historischen Museen in Deutschland. 2010 besuchten es rund 915.000 Menschen. 1987 war das DHM auf Initiative des damaligen Kanzlers Helmut Kohl gegründet worden, damals noch ohne festen Standort. Zuletzt machte es mit einer Ausstellung über Hitler Schlagzeilen.
dapd