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Dresdner Frauenkirchenkantor lädt zu Orgelmarathon
Tour durch 42 Kirchen im Erzgebirge beginnt am 12. August
Dresden (ddp). Aus der einstigen Orgelarena, gestartet im thüringischen Eichsfeld, ist innerhalb von fünf Jahren ein Orgelmarathon geworden. Der Dresdner Frauenkirchenkantor Matthias Grünert geht in diesem Jahr vom 12. bis 16. August wieder auf Tour, diesmal quer durch das Erzgebirge. Auf 42 Orgeln in verschiedenen Kirchen will er spielen, jeweils für 30 bis 45 Minuten. Kein Orgelstück wird sich dabei wiederholen, wie Grünert sagt. Wer auf der Tour mitreist, erlebe so einen "einmaligen Querschnitt der Orgelmusik".
Die Auswahl der Instrumente reicht von der historischen Dorforgel aus dem 18. Jahrhundert bis zu modernen Orgelneubauten. Die Programme seien den verschiedenen Orgeln angepasst und die Stücke dementsprechend ausgewählt worden, sagt der Kirchenmusiker.
Mittlerweile hat die Veranstaltung laut Grünert schon Eventcharakter. Auch auf Stammgäste, unter anderem aus Köln und Osnabrück, kann der 36-Jährige verweisen. Teilweise seien die Kirchen während der Orgelkonzerte sogar voller als in der Weihnachtszeit, sagt Grünert. Je mehr Stationen umso länger sei auch der Autokorso der Besucher, weil viele auch die letzten Konzerte der Tour miterleben wollten. Der Bus-Shuttle zu den verschiedenen Stationen ist bereits ausgebucht.
Gespielt werde zu "ungewöhnlichen Zeiten", manchmal um 12.00 Uhr, um 14.30 Uhr oder auch um 21.30 Uhr, die Termine an den vier Tagen folgen knapp hintereinander. Das erste Konzert des Orgelmarathons beginnt am 12. August um 12.00 Uhr in der Freiberger St.-Petri-Kirche. Die Abschlussfeier findet am 16. August um 20.00 Uhr in St. Georgen in Schwarzenberg statt.
Das Erzgebirge sei "ein richtiges Orgelland", sagt Grünert. Viele Instrumente hätten sich lange "im Dornröschenschlaf" befunden, während insbesondere im Westen Deutschlands häufig alte Orgeln entfernt und durch moderne Instrumente ersetzt worden seien.
Der Orgelhistoriker und Geschäftsführer von Hermann Eule Orgelbau Bautzen, Jiri Kocourek, würdigt das Erzgebirge als eine der großen Orgelregionen in Europa. Es gebe eine hohe Dichte an historischen Instrumenten. Das Erzgebirge sei auch die Kernregion im Schaffen von Gottfried Silbermann (1683-1753) gewesen, der den Orgelbau "nachhaltig beeinflusst" und "mit seinem klanglichen Konzept begeistert" habe. Von den etwa 45 Silbermann-Orgeln sind laut Kocourek noch etwa 30 erhalten, während von den 400 Orgeln anderer Erbauer seiner Zeit nur noch 20 ganz oder teilweise existierten.
Große Überraschungen erwartet Grünert auf der bevorstehenden Tour nicht. Er weiß, dass alle Instrumente in einem klanglich guten Zustand sind. Auch wenn es auf seinen vergangenen Touren durchaus mal die eine oder andere selten bespielte Dorforgel gab, die nicht richtig gestimmt war.
Für den Orgelmarathon hofft Grünert auf angenehmere Temperaturen. Bei der anhaltenden Hitze haben sich auch die sonst eher kühlen Kirchen aufgeheizt und warten mit sommerlichen Temperaturen auf. Bei der jüngsten Orgelandacht in der Dresdner Frauenkirche habe er bei 28 Grad Celsius gespielt, sagt Grünert.
ddp