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Eine "Nachtigall" im Oderbruch

Rockpoet Udo Lindenberg kam zu Sonderkonzert zum Jahrestag des Mauerfalls nach Neuhardenberg

Neuhardenberg (dapd). Udo Lindenberg greift zur Gitarre. Es ist jenes Instrument, das der Panikrocker 1987 dem damaligen DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker bei dessen einzigem Westbesuch überreicht hatte. 23 Jahre später ist das geschichtsträchtige Instrument mit der Aufschrift "Gitarren statt Knarren" neben Udos "Likörellen" und Plattencovers für einen Abend im Foyer des Saals von Schloss Neuhardenberg am Oderbruch ausgestellt. Lindenberg hatte für Montag zu einem Sonderkonzert zum 21. Jahrestag des Mauerfalls in die Schinkelkirche geladen, zu dem sich auch Bundespräsident Christian Wulff angesagt hatte.

Der Künstler, der wie immer mit tief ins Gesicht gezogenem Hut und Sonnenbrille durch die kleine Ausstellung schlendert, hat seinen Auftritt unter das Motto "Bunte Republik Deutschland" gestellt - und damit einen seiner Plattentitel aus dem Wendejahr aufgegriffen. Vor einem seiner auf Leinwand gemalten Likörelle von 2006, das das Brandenburger Tor mit Menschen auf der Mauer zeigt, bleibt er stehen und kommentiert die damaligen Ereignisse: "Das war der Hammer." Die Mauer sei pervers gewesen.

"Heute ist ein besonderer Tag", sagt er. Es gebe zu diesem Datum viele geschichtliche Aspekte, auch die Pogromnacht von 1938 spricht er an. "Das gehört alles zusammen." Mittlerweile sei man auf einem gutem Weg zur Bunten Republik Deutschland, auch wenn es noch ein paar "Rückwärtsgewandte" gebe, sagt er vor seinem Bild "Nationalschrei" von 2000, das einen zahnarmen Glatzkopf zeigt.

Lindenberg verweist darauf, dass nur wenige Kilometer von Neuhardenberg entfernt im April 1945 die Schlacht vor den Seelower Höhen mit 100.000 Toten tobte. "Hier wollen wir freundschaftliche Open-Air-Konzerte machen mit russischen, polnischen und deutschen Bands", verkündet er. Auch das gehöre zur Aussöhnung. Der Generalbevollmächtigte der Stiftung Schloss Neuhardenberg stimmt ihm zu: "Das machen wir", sagt Bernd Kauffmann.

Es ist nicht die erste Begegnung Lindenbergs mit dem Ort am Oderbruch. Schon im vergangenen Jahr war er zur Eröffnung einer Ausstellung über internationale Grand Hotels nach Neuhardenberg gekommen. Dort war auch Lindenbergs Spitzwegstübchen-Atelier im Hamburger Atlantic-Hotel originalgetreu nachgestaltet worden.

Den Besuch des Bundespräsidenten findet Lindenberg gut. "Ich möchte ihm gratulieren zur Bunten Republik Deutschland und dass Menschen sich einmischen." Dazu gehöre auch die "neue Protestkultur", die sich etwa in Gorleben oder Stuttgart zeige. Wulff hatte in seiner Antrittsrede als Bundespräsident von einer "Bunten Republik Deutschland" gesprochen. "Das hat er gut gemacht, das ist weltoffen", sagt Lindenberg.

"Ich bin ein überparteilicher Jodler", fügt er an. Die Bunte Republik brauche alle Farben, außer Braun. Den Deutschen empfiehlt er, sich besser kennenzulernen und den anderen Teil des Landes zu besuchen. "Zum Vergnügen nach Rügen und nach Schmusedom, auch nach Neuhardenberg. Dann kriegen wir das wunderbar hin mit der Bunten Republik Deutschland."

Schließlich stimmt er in der kleinen Ausstellung den Titel "Bunte Republik Deutschland" an. "Ich bin sehr flexibel am frühen Morgen", scherzt er zu vorgerückter Stunde. "Ich bin eine Nachtigall, keine Lerche."

dapd

 
erschienen am 08.11.2010
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