Foto: dapd
Erfurt will Weltkulturerbe werden
Thüringens Landeshauptstadt bewirbt sich um UNESCO-Status
Erfurt (dapd). Im Herbst 2012 muss Erfurt seine Bewerbung um den Titel "UNESCO-Weltkulturerbe" bei der Kultusministerkonferenz (KMK) eingereicht haben. Die thüringische Landeshauptstadt rechnet sich mit ihrer 900 Jahre alten Synagoge, dem ältesten komplett erhaltenen jüdischen Gotteshaus Mitteleuropas, und dem 2007 bei Bauarbeiten entdeckten jüdischen Bad, der Mikwe, und den zum sogenannten Erfurter Schatz gehörenden Gefäßen, Münzen, Schmuck und hebräischen Handschriften gute Chancen aus - zur Not auch als alleiniger Bewerber.
Trotz der Zuversicht der Erfurter gibt es in der Stadt aber weiterhin Überlegungen, sich gemeinsam mit Worms, Speyer und Mainz zu bewerben. Daran soll auch festgehalten werden - trotz der ausgesprochenen Skepsis, die die Stadt Worms gegenüber einer solchen Zusammenarbeit geäußert hat. Deren Oberbürgermeister Michael Kissel (SPD) hatte die Befürchtung geäußert, dass bei einer Beteiligung Erfurts die Alleinstellungsmerkmale von Speyer, Worms und Mainz verwässert werden könnten.
"Es gibt nachweisbare historische Verbindungen zu diesen Städten. Außerdem fördert die UNESCO Anträge, in denen sich mehrere Stätten gemeinsam um das Erbe bewerben", hält der Beigeordnete für Bau und Verkehr der thüringischen Landeshauptstadt, Ingo Mlejnek, dagegen. Ob es nun eine einzelne Bewerbung oder doch eine Kooperation mit den Rheinland-Pfälzern geben wird, ist derzeit offen. Erfurt jedenfalls stehe für weitere Verhandlungen zur Verfügung, betont eine der Beauftragten Erfurts für das UNESCO-Weltkulturerbe, Sarah Laubenstein.
Bis Herbst 2012 können die Bundesländer ihre Bewerbungen bei der KMK einreichen. Jedes Land kann zwei mögliche Welterbestätten vorschlagen. Diese werden dann bis 2014 von einer auswärtigen Kommission bewertet und auf einer Liste zusammengestellt, über die letztlich die KMK abstimmt. "Etwa 2014 wird die neue Vorschlagsliste feststehen. Dann wissen wir, wann wir unseren Antrag zur UNESCO schicken dürfen", sagt Laubenstein. Wann Erfurt der Titel verliehen werden könnte, sei noch nicht absehbar.
Zur Bewertung der Besonderheiten des Erbes hat die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) zehn Kriterien aufgestellt. Mindestens eines sollte eine schützenswerte Stätte aufweisen, um überhaupt im Wettbewerb um das Erbe antreten zu können. Dazu zählen Einmaligkeit, Unversehrtheit und historische Originalität - Eigenschaften, die die Landeshauptstadt nach Einschätzung der Verantwortlichen durchaus aufweisen kann. "Wenn Erfurt drei von zehn Kriterien erfüllt, dann ist das schon gut", erklärt Laubenstein.
Wenn die Stadt den Titel bekomme, solle die Stätte weiterhin für die Besucher zugänglich sein, betont Erfurts weitere Weltkulturerbe-Beauftragte Maria Stürzebecher. In dieser Hinsicht habe die Stadt mit dem Museum in der Alten Synagoge bereits beste Voraussetzungen. Weitere Investitionen seien nicht nötig. "Die 1,6 Millionen Euro teure Sanierung der Synagoge ist abgeschlossen. Auch die 670.000 Euro für den Bau der Mikwe, die noch in diesem Jahr eröffnet wird, sind gedeckt. Und für 2011/12 stellt uns die Stadt 70.000 Euro zur Verfügung", sagt Mlejnek. Diese Gelder sollen für Forschung und Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden.
dapd