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"Finanzkrise" ist das Wort des Jahres 2008
Auswahl aus 4000 Vorschlägen - "Yes, we can" auf Platz 10
Wiesbaden (ddp). Nach der "Klimakatastrophe" im Vorjahr haben Sprachforscher "Finanzkrise" zum Wort des Jahres 2008 gewählt. Wie die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Donnerstag in Wiesbaden bekanntgab, kennzeichnet das Wort zusammengefasst die dramatische Entwicklung im Banken-, Immobilien- und Finanzsektor und bezieht "Immobilien-", "Kredit-", "Liquiditäts-" und "Wirtschaftskrise" ein. Auf den Plätzen zwei und drei der Top-Ten-Liste folgen "verzockt" und "Datenklau".
Einer Fachjury lagen fast 4000 Wörter und Wendungen vor, wobei auch Zuschriften an die Sprachgesellschaft berücksichtigt wurden. Die Experten wählen seit 1971 Begriffe zum Wort des Jahres aus, die die öffentliche Diskussion besonders bestimmt haben, die für wichtige Themen stehen oder sonst als charakteristisch erscheinen. Es gehe nicht um Worthäufigkeiten, sondern um eine sprachliche Chronik des zu Ende gehenden Jahres, betonte die Jury. Auch sei mit der Wortauswahl keine Wertung beziehungsweise Empfehlung verbunden.
Das zweitplatzierte Wort "verzockt" hat laut der Jury seinen Bedeutungsbereich erweitert und wurde immer wieder kritisch auf das Vorgehen der Bankmanager bezogen, die hoch riskante und spekulative Geldgeschäfte betrieben haben. Darum fiel die Wahl auf die Perfektform "verzockt" anstatt des Infinitivs "verzocken". "Datenklau" bezieht sich auf die illegale Nutzung und Weitergabe elektronisch gespeicherter Personendaten. In den vergangenen Monaten hatte es mehrere "Datenpannen" gegeben.
Auf Platz 4 steht mit "hessische Verhältnisse" eine Wendung, die die aktuelle innen- und parteipolitische Lage in Hessen betrifft. Mit der nächstplatzierten "Umweltzone" ist ein in manchen Städten eingerichteter Innenstadtbereich gemeint, den man mit seinem Auto nur befahren darf, wenn es bestimmten Abgas- und Feinstaubwerten genügt.
Der Ausdruck "multipolare Welt" auf Rang 6 drückt den Sprachexperten zufolge die Entwicklung der internationalen Kräfteverhältnisse aus, da nicht mehr nur Supermächte dominierten. Das folgende Wort "Nacktscanner" drücke die Entrüstung über die von der EU geplante Einführung einer neuen Technik zur Überprüfung der Passagiere an Flughäfen aus. Mit "Rettungsschirm" folgt ein weiterer Begriff, der erst kurzfristig in der öffentlichen Diskussion genannt wird und wie "Rettungspaket" die bildhafte Bezeichnung der staatlichen Finanzhilfen für in der Krise befindliche Banken und Unternehmen ist.
"Bildungsfrühling" auf Platz 9 beschreibt der Jury nach die Hoffnung, dass angekündigte Initiativen von Bund und Ländern für die finanziell und personell schlecht ausgestatteten Bildungseinrichtungen spürbare Verbesserungen bringen. Den Abschluss der Spitzengruppe bildet der aus dem US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf bekannte Slogan "Yes, we can", der hierzulande oft aufgegriffen und variiert worden ist.
Die bundesweite Wortwahl hat inzwischen regionale Ableger bekommen. So wurde im Sommer "Oeschen" - der niederdeutsche Begriff für das Buschwindröschen - als das Plattdeutsche Wort gekürt. Zum besten aktuellen plattdeutschen Ausdruck war den Angaben des Landesheimatverbandes Mecklenburg-Vorpommern zufolge "Ackerschnacker" für das Mobiltelefon gewählt worden.
Das schönste sächsische Wort des Jahres ist "Mudln", das für eine langsame Tätigkeit ohne genaues Ziel steht. Eine Jury aus Sprachwissenschaftlern, Schauspielern und Journalisten hatte Anfang Oktober erstmals eine Sachsen-Wahl getroffen. Das beliebteste Wort, gewählt von den Sachsen selbst, sei "nu" für ja oder jetzt geworden.
(ddp)