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Fotografien zerstörter Gemälde von Gerhard Richter aufgetaucht
Die 60 Werke hätten heute einen Wert von etwa 180 Millionen Euro
Köln/Dresden (dapd-lsc). Das Gerhard-Richter-Archiv hat in seinem Lager zahlreiche unveröffentlichte Fotografien des Künstlers entdeckt. Auf den insgesamt rund 150 Aufnahmen sind Gemälde abgebildet, die der Maler später zerstörte, wie der Leiter des Dresdner Archivs, Dietmar Elger, am Montag einen Bericht des "Spiegels" bestätigte. Darunter seien 60 Fotografien, die in Richters bedeutender Schaffensphase zwischen 1962 und 1965 entstanden.
Die Aufnahmen dokumentieren Gemälde, darunter ein Familienporträt und das "Zahme Känguru", die Richter nicht gefielen, weshalb er sie mit einem Messer zerschnitt. Da der Maler sich nicht komplett von den Arbeiten lösen konnte, machte er vorher noch ein Foto. Heute hätten nach Schätzung des Archivs allein die 60 Werke einen Wert von etwa 180 Millionen Euro. Der "Spiegel" geht sogar von einer halben Milliarde Euro aus.
Seit Jahren erzielen die Bilder von Richter, der international als der größte Maler der Gegenwart gefeiert wird, bei Auktionen Rekordpreise. Erst im November wechselte ein abstraktes Bild für 15 Millionen Euro den Besitzer. Zu seinem Werk gehören heute etwa 3.000 Gemälde, von Landschaften über Stillleben und abstrakten Werken bis hin zu Historienbildern wie der "RAF-Zyklus".
Ähnliche Bilder wie die in den 1960ern zerstörten seien schon für eine Million Euro verkauft worden, sagte Elger der Nachrichtenagentur dapd. Noch heute würde Richter, der am 9. Februar 80 Jahre alt wird und sein Atelier in Köln hat, vereinzelt Werke vernichten oder übermalen. Dass er aber vor 50 Jahren ganze 60 Gemälde zerstörte, sei verwunderlich.
Richter sagte dem "Spiegel": "Manchmal wird man von der Zeit belehrt." Sein Gemälde von den brennenden Türmen des World Trade Centers in New York wollte er einst ebenfalls zerstören. Doch er entschied sich anders und bewahrte es. Mittlerweile wisse er, das "ist ein tolles Bild".
dapd