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Großer Beifall für Wiederaufnahme des "Parsifal" in Bayreuth

Opernregisseur Herheim setzt auf Premierenfassung von 2008

Bayreuth (ddp). Opernregisseur Stefan Herheim hat bei der Wiederaufnahme seiner Inszenierung von Richard Wagners "Parsifal" bei den Bayreuther Festspielen ganz auf seine Premierenfassung von 2008 gesetzt. Am Donnerstagabend gab es auf dem Grünen Hügel großen Beifall und Bravorufe für den 40-jährigen Norweger, aber auch einige Buhrufe für seine politische Auslegung des Werkes.

Durchweg großen Applaus nahm die kraftvolle Sängergarde entgegen, darunter die Hügel-Debütantin Susan Mclean in der Rolle der Kundry sowie Bayreuths Publikumsliebling Kwangchul Youn als Gurnemanz und der Titelheld Christopher Ventris. Die musikalische Leitung der Aufführung hatte der Italiener Daniele Gatti. Auch für ihn gab es stürmischen Applaus. Herheims Regiearbeit war im vergangenen Jahr vom Fachmagazin "Opernwelt" zur "Inszenierung des Jahres" gekürt worden - eine Premiere für eine Bayreuther Aufführung.

Der Regisseur erzählt die Geschichte des Ritters Parsifal auf der Suche nach dem heiligen Gral als Reise durch die deutsche Geschichte und damit auch als Geschichte der Familie Wagner von der wilhelminischen Zeit über den Nationalsozialismus bis hin zu einer "Erlösung" im Jetzt. Zudem greift Herheim es in seiner Deutung des Bühnenweihfestspiels auf, dass Wagner den "Parsifal" eigens für sein neues Festspielhaus komponiert hatte. Als Kulisse kommt da ganz naturgetreu Wagners Villa Wahnfried als Hintergrund auf die Bühne (Bühnenbild: Heike Scheele).

So führt zur gemütlich-wilhelminischen Ära noch eine strenge Cosima das Erbe der Familie, bis der Erste Weltkrieg ausbrach. "Meistersohn" Siegfried bleibt nach dem Tode der Mutter auf einem Schutthaufen zurück. Cosimas Schwiegertochter Winifred lässt im Haus Wahnfried die nationalsozialistischen Fahnen aufziehen. Schließlich lassen Krieg und Nazi-Verehrung der Wagners zu jener Zeit ein Wahnfried in Trümmern zurück, aus denen sich Neues entwickeln muss.

Allerlei geflügelte Wesen - Reichsadler, Bundesadler, Schwan und dunkle Engel - bevölkern den Kosmos Herheims im "Parsifal". Auch dem Publikum hält er den Spiegel vor: Der gesamte Zuschauerraum findet sich als Spiegelung auf der Bühne wieder.

Seit der Uraufführung des "Parsifal" 1882 ist die Herheim-Inszenierung die neunte Fassung des Werkes bei den Bayreuther Festspielen. Zuletzt war das Stück dort in einer umstrittenen Regie von Christoph Schlingensief zu sehen.

ddp

 
erschienen am 30.07.2010
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