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Kunsthalle Emden wird 25 Jahre alt
Weltweit erste Ausstellung von Storyboards
Emden (dapd). Eske Nannen steht mit strahlenden Augen in den Ausstellungsräumen der Kunsthalle Emden. 25 Jahre alt wird das Museum im Oktober. Seit seiner Gründung hat es sich zu einer wichtigen Adresse für moderne Kunst in Europa entwickelt. Stolz sei sie aber nicht auf das Geschaffene, sagt die 68-jährige Kunsthallen-Chefin. "Mit Stolz habe ich es nicht so. Ich empfinde Dankbarkeit. Die Kunsthalle hat mein Leben bereichert." Ihr verstorbener Ehemann, der Verleger und Kunst-Mäzen Henri Nannen (1913-1996), sieht das offenbar auch so. "Henri guckt zufrieden von Wolke sieben", sagt seine Witwe.
Mit der Kunsthalle ist Henri Nannens Vision von einer lebendigen Begegnungsstätte zwischen Bildern und Bürgern seit fast einem Vierteljahrhundert Realität. "Diese Lebendigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg. Wir sind kein kühler Museumsbetrieb", sagt Eske Nannen. Immer wieder geht das Museum neue Wege, legt Wert auf Kunstvermittlung und Museumspädagogik und gibt aufstrebenden Künstlern die Chance, ihre Werke erstmals einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Das soll sich im Jubiläumsjahr nicht ändern: Die Kunsthalle verzichtet auf einen großen Künstler-Namen und richtet den Fokus stattdessen auf die Regionalität und hauseigene Historie.
Den Auftakt macht Franz Radziwill (1895-1983). Der Maler lebte viele Jahre in Dangast und gilt als einer der bedeutenden Vertreter des Magischen Realismus. Er wird verehrt wegen seiner realistisch anmutenden Malerei und kritisiert wegen seiner Vergangenheit als NSDAP-Funktionär. Seine Werke in der Sammlung der Kunsthalle zählten zu den Lieblingen von Henri Nannen. Hinzu kamen im Jahr 2010 rund 60 Dauerleihgaben aus Privatbesitz. Dieser Bestand bildet den Kern der Retrospektive "Franz Radziwill: 111 Meisterwerke aus privaten Sammlungen". Die Gemälde und Papierarbeiten sind vom 15. Januar bis 19. Juni in Emden zu sehen.
Zudem zeigt die Kunsthalle die weltweit erste Ausstellung herausragender "Storyboards". Dahinter verbergen sich die von Hand gezeichneten, optischen Drehbücher eines Spielfilms. "Zwischen Film und Kunst" - Storyboards von Hitchcock bis Spielberg" läuft vom 16. April bis 17. Juli. Gemeinsam mit der Deutschen Kinemathek Berlin wird die Schau in 17 Kapitel untergliedert, die Regiegrößen wie Fritz Lang, Alfred Hitchcock, Stanley Kubrick oder Steven Spielberg gewidmet sind.
Auch der Aufbruch im Osten wird thematisiert. Anfang der 1980er Jahre entdeckte Henri Nannen in Moskau eine im Untergrund arbeitende, sozialkritische Gegenwartskunst, die mit der von ihm verabscheuten Kunst des Sozialistischen Realismus wenig gemein hatte. Das Ergebnis war eine der ersten Kunsthallen-Ausstellungen überhaupt. Daran erinnert "Ich zog 14 Tage durch die Ateliers junger russischer Künstler - Malerei der Glasnost-Zeit aus der Kunsthalle Emden". Die Ausstellung mit 80 Werken von Maxim Kantor bis Leonid Purygin wird vom 30. Juli bis 25. September gezeigt.
Eine Hommage an den Gründer ist die Jubiläumsschau "25 Jahre! Die Sammlung Henri Nannen und Überraschungsgäste", die vom 8. Oktober bis 29. Januar läuft. Ausgangspunkt sind die 83 bedeutendsten Werke, die Nannen erworben hatte - für jedes Lebensjahr eines. Diesen Gemälden, Skulpturen und Papierarbeiten werden Gast-Kunstwerke mit teils ungewöhnlichen Verbindungen zur Seite gestellt: Ein Blumenbild von Emil Nolde hängt neben einer floralen Videoinstallation der Schweizerin Pipilotti Rist, die "Landschaft bei Oberstdorf" von Alexej von Jawlensky neben einer Gewürzaufschichtung von Dieter Roth. "Ich weiß genau, dass Henri daran Spaß gehabt hätte. Er liebte solche Blicke", sagt Eske Nannen.
dapd